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Sinclair ZX Spectrum: Das Comeback der Gummitasten - Das Conrad Blog

Sinclair ZX Spectrum: Das Comeback der Gummitasten
Im Vergleich von Früher zu Heute hat sich beim Design fast nichts verändert. (Bild: cosam.org/ ©2004-2009 Steve Maddison und Yahoo News Network)

Gleich zwei Projekte lassen den legendären britischen Heimcomputer Sinclair ZX Spectrum wieder aufleben: einmal als Spielekonsole für den Fernseher, einmal als Bluetooth-Tastatur.

Der Brite Clive Sinclair hatte Anfang der 80er Jahre ein klares Ziel vor Augen: Computer für jedermann erschwinglich zu machen. Der ZX81 wurde zum ersten Hit: Inklusive legaler und illegaler Nachbauten sollen weltweit zwei Millionen davon produziert worden sein. Noch erfolgreicher war ein Jahr später der ZX Spectrum, der fünf Millionen Mal verkauft wurde – plus eine nicht mehr zu schätzende Zahl von kompatiblen Klonen. Vor allem in Großbritannien war der ZX Spectrum ein Verkaufsschlager und gilt als einer der Grundpfeiler der britischen IT-Industrie. Aber auch in Deutschland war der kleine Heimcomputer sehr beliebt – in West und Ost. In der Bundesrepublik musste er sich nur dem Commodore C64 geschlagen geben. Später wurde er von den Schneider CPC-Rechnern überrundet.

Kurzum: Der Sinclair ZX Spectrum ist eine Legende. Die Eckdaten des über 30 Jahre alten Einsteiger-Rechners lesen sich aber natürlich sehr bescheiden. So gab es ihn mit 16 oder 48 KB Arbeitsspeicher. Seine Grafik hatte eine Auflösung von 256 x 192 Pixel und bot bis zu 8 Farben. Im Innern arbeitete ein Z80A-Mikroprozessor mit einer Taktrate von 3,5 MHz. Bekannt ist er außerdem für seine ungewöhnliche und nicht besonders ergonomische Gummitastatur. Spätere Modelle bekamen harte Tastenkappen, ein größeres Gehäuse, eingebaute Speicherlaufwerke und mehr RAM. Letztlich aber ist es das erste Modell, das bei den meisten im Gedächtnis geblieben ist. Kein Wunder also, dass zwei Projekte nun unabhängig voneinander eben dieses Original wieder aufleben lassen wollen.

ZX Spectrum Vega

ZX Spectrum Vega
Für absoluten Game-Fun wie in alten Zeiten. (Bild: © 2015 Indiegogo)

Beim ersten namens „ZX Spectrum Vega“ ist sogar Clive Sinclair selbst mit an Bord. Der inzwischen zum Ritter geschlagene Computerpionier hält Anteile an der Firma Retro Gaming, die dieses Gerät auf den Markt bringen will. Das folgende Video stellt die Idee dahinter kurz vor:

Nüchtern betrachtet bekommt man also eine Gamepad-Spielekonsole im Design des ZX Spectrum, die man an einen Fernseher anschließen kann. 1.000 Originalspiele wollen die Macher direkt mitliefern, wobei hier die Verhandlungen über die Rechte noch nicht abgeschlossen sind. Darüber hinaus soll man per SD-Card weitere Spiele laden können – woher auch immer man die dann bekommen hat. Zum Programmieren ist die ZX Spectrum Vega bei alldem nicht gedacht. Statt der Tastatur gibt es lediglich die wesentlichen Tasten, die man zum Spielen braucht.

Das erste Geld für dieses Projekt haben die Macher inzwischen erfolgreich auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo eingesammelt. Für umgerechnet rund 135 Euro konnte man es hier vorbestellen. Im Laufe dieses Jahres soll es eine zweite Runde mit Vorbestellungen zu diesem Preis geben.

Ursprünglich wollte man im April ausliefern. Allerdings haben sich die Macher entschlossen, Feedback aus der Crowdfunding-Phase aufzunehmen und das Gerät an zwei Stellen zu verbessern. Zum einen sollen zusätzliche Tasten integriert werden, die für einige Spiele wesentlich sind. Zum anderen sehen sie nun im Innern eine Erweiterungsmöglichkeit für die Hardware vor. Einen neuen Liefertermin gibt es noch nicht, alles in allem soll es sich aber nur um „wenige Wochen“ verzögern. Im Herbst soll die Vega zudem in den regulären Handel kommen.

Recreated ZX Spectrum

Recreated ZX Spectrum
Originalgetreu und kompatibel mit iOS- und Androidgeräten. (Bild: Wikipedia)

Das zweite Projekt geht einen anderen Weg: Ursprünglich als „Bluetooth ZX Spectrum“ an den Start gegangen, hört es nun auf den Namen „Recreated ZX Spectrum“. Allerdings ist der Name ein wenig irreführend: Was das Team hier entwickelt, ist eine Bluetooth-Tastatur im originalgetreuen Design des Rechners und nicht etwa ein Revival des Computers selbst.

Hinter dem Projekt steht die britische Softwarefirma Elite Systems, die seit 1984 Spiele für die Heimcomputer-Legende entwickelt. Als sie 2011 einige der alten Spiele als App für iPad und iPhone herausbrachten, entstand die Idee, der Software eine passende Hardware zur Seite zu stellen. Auch sie gingen dann den Weg übers Crowdfunding, in diesem Fall Kickstarter.

Die Tastatur imitiert dabei optisch einen ZX Spectrum 48K und soll zunächst mit iOS- und Android-Geräten zusammenarbeiten. Sie wird sich aber auch mit PCs, Macs oder Smart-TVs verbinden lassen.

Inzwischen hat sich das Projekt ein wenig verspätet. Ursprünglich hatte man den September 2014 anvisiert. Aber immerhin gibt es nun einen voll funktionsfähigen Prototypen. Mitarbeiter des Centre for Computing History zeigten sich begeistert davon. Bald will das Team bekannt geben, wann die Tastaturen an die Unterstützer ausgeliefert werden und wann sie in den Handel kommen. Bei Kickstarter hatte das Gerät umgerechnet rund 67 Euro gekostet.

Ein Wort zum Schluss

Es ist schon ein interessanter Anblick, die Tastatur im Stile des ZX Spectrum zusammen mit einem iPad zu sehen. Hier treffen Computergenerationen aufeinander, die viel weiter auseinander zu liegen scheinen als lediglich 30 Jahre.

Was mich an den alten Geräten aber zugleich fasziniert: Wie viel die Programmierer damals aus den technischen Möglichkeiten herausgeholt haben. Heute ist mein Smartphone nach zwei Jahren reif für den Austausch und nach drei Jahren kaum noch benutzbar – jedenfalls wenn man wie ich beruflich darauf angewiesen ist.

Ich verstehe schon, dass ich mit neuen Generationen von Software und Hardware auch neue Funktionen bekomme. Aber manchmal würde ich mir wünschen, Programmierer würden wieder die Chance bekommen, das letzte Quäntchen Performance aus einem Gerät herauszupressen.

Ja, ich weiß: Das wird nicht passieren, denn heute funktioniert die IT-Industrie nun einmal ganz anders als zu Zeiten des ZX Spectrum. Und das ist auch in Ordnung so. Aber ein bisschen Nostalgie darf ja mal sein…

Über den Autor

Jan Tißler ist freier Journalist und Blogger. Er schreibt seit etlichen Jahren über Gadgettrends und Internettechnologien.