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Unsterblich: Commodore seit der Pleite

Unsterblich: Commodore seit der Pleite

Immer wieder tauchen neue Produkte unter dem Namen „Commodore“ auf – zuletzt gar ein Smartphone. Dabei ist die Firma seit vielen Jahren pleite. Wie kann das sein?

C=. C64. Amiga. Mehr Zeichen braucht es nicht, um viele von euch etliche Jahre in der Zeit zurückzuversetzen. Man sieht sein Kinder- oder Jugendzimmer wieder vor sich. Man hat die Melodie dieses einen Spiels im Kopf, das einen so gefesselt hat. Man erinnert sich an jenen Klassenkameraden mit dem Schneider CPC und hofft, dass er trotzdem seinen Weg im Leben gefunden hat…

Kurzum: Commodore ist pure Nostalgie. Und zu Recht: Das Unternehmen hat sich seinen Platz in der Computergeschichte gesichert. Der C64 wurde 17 Millionen Mal verkauft und gilt noch immer als das meistverkaufte Computermodell. Er prägte wie kein anderer die Ära der Homecomputer. Der Amiga 1000 verblüffte später mit seinen Sound- und Grafikfähigkeiten. Alles schien bestens zu laufen.

Und dennoch: Die Commodore International Ltd. ging am 29. April 1994 pleite. Der Computermarkt hatte sich zu dem Zeitpunkt dramatisch gewandelt: „IBM-kompatible“ Rechner beherrschten ihn zunehmend und brachten das Preis-/Leistungsverhältnis in unbekannte Sphären. Sie wurden in enormen Stückzahlen produziert und nutzten alle die gleichen Komponenten. Das machte die Computer günstiger. Zugleich entbrannte ein Preiskampf. Für andere Systeme war da schon bald kein Platz mehr. Letztlich überlebte bekanntlich nur Apple diesen Wandel – mit Müh und Not.

Unsterblich: Commodore seit der Pleite
Als Commodore noch erfolgreich war: der Amiga 500. (Foto: „Commodore Amiga 500“ von Quagmire’s Photos. Lizenz: CC BY-ND 2.0)

Commodore in deutschen Händen: Escom

Aber der Name Commodore lebte weiter. So hatte beispielsweise Commodore UK als einzige Tochterfirma den Untergang des Mutterkonzerns überstanden. Sie schickten sich sogar an, die Überbleibsel zu kaufen. Als Branchengrößen wie Gateway und Dell ebenfalls Interesse signalisierten, zogen sie sich allerdings zurück. Am 30. August 1995 mussten schließlich auch sie Konkurs anmelden.

Das „Vermächtnis“ von Commodore International war derweil an die deutsche Computer-Handelskette Escom gegangen. Die rollten damals den deutschen Markt auf. 140 eigene Ladengeschäfte hatten sie allein hierzulande, noch mehr in Großbritannien. Sie vertrieben PCs in ihren eigenen Läden und konfigurierten sie nach Kundenwunsch. Mit Kampfpreisen machten sie hohe Umsätze, aber kaum Gewinne. Escom wollte an sich nur den Markennamen Commodore, aber der stand nicht einzeln zum Verkauf. Letztlich übernahmen sie die gesamte Firma.

Commodore in deutschen Händen: Escom
Wer erinnert sich noch? 140 solche Escom-Läden gab es in den besten Zeiten allein in Deutschland. (Bild: „Escom“ von Schnatzel. Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Tatsächlich brachten sie in der Folge einige Computer unter dem „Commodore“-Label heraus. Aber wie zu ahnen war, ging es nur um den Namen: Der erste war ein ganz normaler PC mit Pentium-Chip. Sie stellten außerdem weiter den Amiga 1200 und den 4000T her. Letztlich aber machten eine schwache Wirtschaft und der heißer werdende Preiskampf auf dem PC-Markt einen Strich durch Escoms Rechnung. 1995 rutschte das Unternehmen nach einem verpatzten Weihnachtsgeschäft tief in die roten Zahlen. Am 15. Juli 1996 meldete es Konkurs an.

Der Name Commodore war wieder zu haben. Diesmal landete er in den Niederlanden. Die dortige Escom-Tochterfirma konnte sich retten – ähnlich wie zuvor Commodore UK. Sie wurde zu Commodore NL. Aber auch sie gingen pleite und das nicht einmal ein Jahr später. Fast scheint es einem, als hinge eine Art Fluch über dem Namen…

Sieben verlorene Jahre bei Tulip und andere Abenteuer

Das niederländische Tulip Computers erwarb den Markennamen 1997. Sie brachten zunächst mit mäßigem Erfolg einige PCs damit heraus. Letztlich ließen sie ihn allerdings sieben Jahre lang nahezu ungenutzt liegen. 2004 brachten sie einen C64-im-Joystick heraus, den man direkt an den Fernseher anschließen konnte. Sie versprachen weitere Produkte. Es kam anders: Für 24 Millionen Euro verkauften sie kurz darauf den Namen Commodore an das US-Unternehmen Yeahronimo Media Ventures. Die wollten vor allem in den Gaming-Markt einsteigen. Lizenzen für Spielklassiker wollten sie nutzen, passende Hardware entwickeln und letztlich auch neue Spiele unter dem Namen herausbringen. Am Ende einer Pressemitteilung heißt es damals selbstbeschreibend: „Commodore bietet eine Vielzahl an Consumer Electronic Produkten für Endkunden und den Handel an, wie MP3/MP4-Player, C64-Joystick- sowie Multimedia-Terminals und Home Media Center.“ Aha. An mir ist das irgendwie vorbei gegangen.

Sieben verlorene Jahre bei Tulip und andere Abenteuer
Außen ein C64, aber im Innern ein recht schnöder PC mit Intel Atom-Prozessor: C64x. (Bild: „C64x side“ von Commodore USA. Lizenz: CC BY 3.0)

Letztlich scheint sich aber sowieso alles in Luft aufgelöst zu haben. Commodore ging 2010 wieder in neue Hände: Commodore USA LLC in Florida entstand. Und die ließen die Retromarke wenigstens nicht noch weiter verschimmeln. Stattdessen brachten sie zahlreiche neue Produkte heraus. Darunter den C64x: Ein Rechner, der äußerlich komplett der berühmten ersten Generation nachempfunden ist. Ich kenne sie unter dem Kosenamen „Brotkasten“. Im Innern aber fand sich ein schnöder Intel Atom-Prozessor. Der 2011 vorgestellte „C64x Extreme“ hatte dagegen einen Intel Core i7, 8 GB RAM und eine 3-TB-Festplatte. Für Bastler gab es außerdem eine Version ganz ohne Motherboard, Laufwerk oder Netzteil.

Die Hardware hatte aber mit dem namensgebenden Rechner überhaupt nichts zu tun und war wenig überraschend inkompatibel. Stattdessen setzte man auf einen Software-Emulator. Als Betriebssystem kam zunächst Ubuntu 10.10 zum Einsatz, später ein auf Linux Mint basierendes „Commodore OS“.

Letztlich stolperte das Unternehmen aber in eine ganze Reihe von Rechtsstreitigkeiten. Die vorgestellten Modelle wurden offenbar kein Hit. Und tragischerweise starb der Firmengründer und CEO Barry Altmann im Dezember 2012. Die Geschäftstätigkeit ist seit 2013 eingestellt.

Danach entschied ein US-Gericht darüber, wem der Markenname nun eigentlich gehört. Er wurde der niederländischen Commodore Holdings B.V. zugesprochen. Die aber hat damit seitdem nichts damit unternommen.

2015: ein Smartphone von Commodore

Vorerst letztes Kapitel in der Geschichte: das Smartphone „Commodore Pet“. Benannt ist es nach Commodores Mikrocomputer von 1977. Er war damals vor allem im Bildungsbereich in den USA und Kanada erfolgreich. Randnotiz: Zwei Herren namens Steve Jobs und Steve Wozniak hatten Commodores Gründer Jack Tramiel zuvor einen Computer-Prototypen demonstriert. Sie wollten das Design an Commodore verkaufen, kamen aber nichts ins Geschäft. Der Computer wurde letztlich der Apple II. Der Rest ist Geschichte.

Das jetzt vorgestellte Smartphone hat letztlich wenig mit Commodore oder dem Pet zu tun. Logo und Name sind auf dem Gehäuse zu finden. Zudem werden zwei Emulatoren für C64- und Amiga-Spiele mitgeliefert. Davon abgesehen ist es ein unspektakuläres Android-Smartphone, wie es heutzutage viele gibt.

Zu den Eckdaten: 5,5 Zoll IPS-Display, 1.920 x 1.080 Pixel. Gorilla Glass 3. 1,7 GHz Mediatek-Prozessor mit acht Kernen, ARM Mali T760 GPU. 3.000 mAh Akku. Die rückseitige Kamera stammt von Sony und hat einen 13-Megapixel-Sensor. Videos sind mit bis zu 1.080p möglich. Die Kamera vorn hat einen 8-Megapixel-Sensor. Das Pet hat 4G und Platz für zwei SIMs.

2015: ein Smartphone von Commodore
Verschiedene Modelle des namensgebenden Commodore Pet. (Bild: „PETs“ von Marcin Wichary. Lizenz: CC BY 2.0)

Die Preise starten bei 289 Euro. Die Hülle kommt aktuell in Schwarz oder Weiß, ein klassisches Beige ist in Zukunft aber u.a. ebenfalls möglich. Das kleinere Modell hat 16 GB Speicher fest eingebaut, das größere kommt mit 32 GB. Beide haben zusätzlich eine microSD-Karte mit weiteren 32 GB. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Varianten namens „2/16“ und „3/32“ nur beim RAM: 2 GB im kleinen, 3 GB im großen Modell. So ganz wird mir persönlich nicht klar, wozu es die beiden Modelle gibt.

Dahinter stecken diesmal übrigens keine Amerikaner, Deutsche, Briten oder Niederländer. Es sind zwei Italiener: Massimo Canigiani und Carlo Scattolini haben Computer Business Machines Ltd. in Großbritannien gegründet. Laut Wired haben sie die Marke für Mobilgeräte in 38 Ländern erworben.

Laut C=Holdings haben die Macher des Commodore-Smartphones aber gar nicht die Erlaubnis, den Namen  „Commodore“ zu verwenden. Doch wer ist C=Holdings überhaupt? Das Unternehmen ist der Nachfolger der Yeahronimo Media Ventures, die die Rechte am Namen im Jahr 2004 kauften. Golem.de berichtet, dass C=Holding nicht davor zurückschreckt, gegen die Italiener Klage einzureichen. Der CEO der italienischen Macher des PET-Smartphones, Massimo Canigiani, behauptet aber, das der Markenname im Mai 2015 ordnungsgemäß registriert wurde und sein Unternehmen der legitime Markenrechtsinhaber von Commodore im Bereich Smartphones sei. Auswirkungen auf die Veröffentlichung des Smartphones soll der Rechtsstreit ebenfalls nicht haben. Wir sind gespannt, wer den Streit nun gewinnt und ob das Smartphone am Ende unter dem Namen Commodore herauskommt.

Fazit

Für diesen Beitrag habe ich natürlich Wikipedia bemüht, aber auch etliche Artikel und Meldungen aus früheren Jahren noch einmal nachgelesen. Ich wusste zwar, dass Commodore längst pleite war und wir heute nur noch über den Markennamen reden. Aber ich hatte auch nicht mehr im Hinterkopf, durch wie viele Hände der inzwischen gegangen ist. Alles in allem ein einziges Trauerspiel, muss ich sagen.

Inzwischen ist die Marke nur noch ein Schatten ihrer selbst. Commodore stand damals für preisgünstige Computer für die Masse mit tollen Grafik- und Sound-Fähigkeiten. Man bekam vergleichsweise viel Leistung fürs Geld. Aber wie oben schon beschrieben: IBM-kompatible PCs und Spielekonsolen drängten Commodore aus dem Markt. Das Unternehmen fand keine Antwort darauf. Und auch all die späteren Besitzer des Namens nicht.

Und ausgerechnet ein Smartphone soll es nun schaffen? Ich glaube nicht dran. Das „Commodore Pet“ ist gut für eine kuriose Meldung, aber das war es auch schon. Wofür Commodore einst stand, ist inzwischen von anderen Herstellern gleich mehrfach besetzt.Und als Marke ist der Name inzwischen verbrannt.

Retro-Gaming und -Computing sind die einzigen Märkte, wo es heute noch Sinn ergeben würde. Vielleicht sieht das einer der künftigen Besitzer ja einmal ein.