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Der Herr der Schienen

Tekkie Story Der Herr der Schienen
Eine ganz besondere Jungfernfahrt: Roland Zötzl setzt die neuesten Zugmodelle auf die Schienen des Miniatur-Wunderlands in Hamburg.

Für Conrad Electronic betreut Roland Zötzl Europas größten herstellerunabhängigen Modellbahnkatalog – und bleibt auch nach Feierabend ein leidenschaftlicher Modellbahn-Tekkie: Gerade lässt er auf seinem Dachboden eine amerikanische Gleislandschaft entstehen – mit Zuglängen von bis zu 3,30 Metern.

Die meisten Menschen erinnern sich sehr genau an Ereignisse, die ihrem Leben eine entscheidende Wendung gegeben haben. Im Leben von Roland Zötzl passiert die Wendung im Mai 2001: Conrad Electronic sucht einen neuen Produktmanager und zukünftigen Einkäufer für den Bereich „Modellbahn“. Mehrere Kandidaten machen beim Bewerbungsgespräch einen guten Eindruck, doch nur Zötzl kann alle „Welche Firma stellt was her?“-Fragen hundertprozentig beantworten. Der gelernte Bürokaufmann ist schon seit der Kindheit passionierter Modellbahner – und erhält den Zuschlag. Traumkandidat trifft Traumjob.

Fünfzehn Jahre später kennt Roland Zötzl die Modellbahn-Branche immer noch in- und auswendig, aber eines hat sich verändert: Die Modellbahn-Branche kennt Roland Zötzl. Sein Arbeitgeber bringt Europas größten herstellerunabhängigen Modellbahnkatalog heraus, und als zuständiger Produktmanager ist der 53-Jährige oft in der Szene unterwegs: Er trifft die Endkunden auf Publikumsmessen, hat regelmäßig Termine mit den im Katalog vertretenen Herstellern. Ein Berufsalltag, geprägt von Zugmodellen, Schienen, Figuren, Elektronik, Gebäude- und Geländebau sowie Licht- und Signaltechnik. Bleibt da nach Feierabend überhaupt noch Zeit und Lust für die private Modellbahn-Leidenschaft?

Klein-Amerika unterm Dachbodenhimmel

Roland Zötzl gibt die Antwort bei einem Vor-Ort-Termin in seinem Eigenheim. Sagen muss er dazu erst einmal nichts. Es reicht, dass er die Tür zum Dachboden öffnet: Dort entsteht eine XXL Modellbahnlandschaft, wie sie sich nur ein Modellbau-Tekkie ausdenken kann, der seine Leidenschaft durch und durch „lebt“ – als hauptberuflicher Modellbahnspezialist genauso wie in seiner Freizeit. Der aus Holz gefertigte Unterbau ist bereits abgeschlossen. Insgesamt erstreckt er sich über fast zwölf Meter – wie ein in die Länge und um zwei Ecken herum gezogener Schreibtisch. Auf dem Parkettboden davor liegen die benutzten Werkzeuge: Bohrer, Schraubzwingen, Zangen, Leim. „Das wird bereits meine achte Anlage“, sagt Roland Zötzl. Typisch für detailverliebte Modellbahner: „Irgendwann reichen einem die kleinen Umbauten an einer bestehenden Anlage nicht mehr, und dann ist ein kompletter Neubau reizvoller.“

Tekkie Story Der Herr der Schienen
So arbeiten Profis: Mithilfe eines Planungsprogramms wurden die sieben Gleise-Ebenen der geplanten Anlage in U-Form erstellt.

"Auf meinen Anlagen geht der Betrieb quer durch Epochen und Regionen. Historische Länderbahnzüge fahren neben modernen ICEs."

Diesmal führt die Reise in die USA. „Anfangs hatte ich ein relativ einfaches amerikanisches Landschafts- und Gleisbild vor Augen.“ Inspiriert von Fachliteratur ist der Anspruch aber schon in der Planungsphase gewachsen: „Jetzt ist die Anlage für einen Betrieb mit Zuglängen von bis zu 3,30 Metern vorgesehen.“ Die aus feinem Holz gestalteten Strukturen des ersten vonzwei Schattenbahnhöfen sind klar erkennbar. „Etage eins und zwei habe ich kürzlich fertig gebaut.“ Etage drei und vier folgen in den kommenden Wochen. Um den Bahnhof herum wird Zötzl die Kulisse einer amerikanischen Kleinstadt konstruieren. Er zeigt auf den noch weitgehend blanken Unterbau der restlichen Bauabschnitte: „Hier entsteht später eine gebirgige Landschaft mit tiefen Schluchten, weiten Tälern und einem Canyon.“ Doch nicht nur das: „Im Vordergrund des Gebirges möchte ich einen kleinen Hafen mit Verladekai nachbilden und dort am Rand eine typisch amerikanische Brücke in Holzbauweise.“

Modellbahn-Lebenslauf mit Spurwechsel: von „H0“ auf „Z“

Wie er zum Hobby „Modellbahn“ gekommen ist? „So wie die meisten“, sagt Roland Zötzl, „durch meinen Vater.“ Zum „Beweis“ zeigt er ein Foto, auf dem er im Alter von drei Jahren neben der H0 Bahn seines Vaters zu sehen ist, inklusive Grasmatten, Islandmoos, Gebäude und Fertigtunnel. „Ab dem achten Lebensjahr durfte ich auch selbständig mit der Bahn meines Vaters spielen.“ Als Dreizehnjähriger wechselte Zötzl die Spurweite – vom Maßstab 1:87 der Baugröße „H0“ auf den Maßstab 1:220 der Baugröße „Z“. Dieser ist er bis heute treu geblieben. „Die Winzigkeit der Modelle hat mich schon als Kind total fasziniert.“

"Der typische Modellbahn-Fan hat kein Problem damit, einen Lötkolben in die Hand zu nehmen oder ein Relais anzuschließen."

Zötzl führt in ein Nachbarzimmer: In seinem privaten „Baugröße-Z-Museum“ hat er überall Glasvitrinen an den Wänden angebracht. Er deutet mit dem Finger auf eine markante schwarze Lokomotive: „Das ist eine Dampflok, die auch unter dem Spitznamen ‚das Steppenpferd‘ bekannt ist – mein erstes Spur-Z-Lokmodell aus der Kindheit.“ Die rund 100 ausgestellten Loks und Züge repräsentieren das komplette Modellbahnspektrum – vom Güterzug bis zum ICE. Allerdings machen sie nur ein Drittel von Zötzls Privatsammlung aus. Der Rest ist in einem weiteren Raum untergebracht, gestapelt, in den Originalverpackungen. „Die hole ich nur gelegentlich raus, um sie fahren zu lassen oder um Tests zu machen.“

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Eine stolze Sammlung: Die etwa 100 Loks und Züge werden bei Zötzl eindrucksvoll präsentiert – natürlich in selbstgebauten Vitrinen.

Ein aktiver „Spielbahner“ mit Sammelleidenschaft

Apropos Tests: Auch für diese hat Roland Zötzl einen eigenen Bereich auf seinem Dachboden reserviert. Auf der rund drei Meter langen Schienenstrecke mit diversen Kurven und Weichen findet sich ganz bewusst keine Landschaftsgestaltung. Dafür sieht man jede Menge Kabel, Steckverbindungen und Steuerungseinheiten. „Hier teste ich meine selbst entwickelten elektronischen Schaltungen und kann neue und reparierte Loks einfahren lassen.“ Die Steuerung seiner Lokomotiven und Züge regelt Zötzl nach wie vor im Analogbetrieb. Dabei arbeitet er mit ausgetüftelten Lösungen mittels Read-Kontakten und Relais. Außerdem nutzt er elektronische Bausteine für die Anfahr- und Bremsverzögerung.

Im Grunde genommen repräsentiert Roland Zötzl selbst den typischen Kunden des Modellbahn-Angebots, das er als Produktmanager betreut: technikaffin, mit Bastler-Attitüde und Sammelleidenschaft. Anders als die „Betriebsbahner“, die sich sehr konsequent an einer Zeitepoche orientieren und oft bestimme Strecken bis hin zum Originalfahrplan imitieren, ist Zötzl eher ein aktiver „Spielbahner“: „Bei mir geht der Betrieb durch alle Epochen. Mir ist aber wichtig, dass die Zugzusammenstellung vorbildgerecht und in sich stimmig ist.“

"Modellbahner sind sehr markentreu. Märklin-Fans wollen eine Original-Märklin-Steuerzentrale und stehen smartphonebasierten Lösungen eher skeptisch gegenüber."

Roland Zötzl weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es für Modellbahn-Fans ist, ihre Bastelleidenschaft kreativ auszuleben. „Deswegen machen wir im Conrad-Katalog zwar Themenseiten mit den Hauptzutaten, aber die konkrete Menüzusammenstellung bleibt der Fantasie des Endkunden überlassen.“ Insgesamt verlaufe der technische Fortschritt im Vergleich zu anderen Branchen eher gemächlich. „Bei der Digitalsteuerung kommt nur alle fünf bis sechs Jahre eine neue Generation von Zentralen und Decodern auf den Markt, und inzwischen gibt es auch Geräte, die updatefähig sind.“ Die Möglichkeit, eine Modellbahn-Anlage per Smartphone zu steuern, bestehe zwar – aber: „Modellbahner sind sehr markentreu, und deshalb wünscht sich ein Märklin-Fan keine Smartphone-App, sondern eine Märklin-Steuerung.“

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Das Schönste ist das Basteln: Roland Zötzl und Gerhard Dauscher (Miniatur-Wunderland) testen eine neue Lok-Verkabelung.

Wie der Vater, so der Sohn, so der Enkel

Einen kleinen Trend hat Zötzl im Zubehör-Bereich beobachtet: Es gebe mehr digitale Soundmodule, die in die Landschaften eingebaut werden können. „Zum Beispiel ein realistisches Glockenläuten.“ Die Funktionen werden dabei meist durch Drucktaster ausgelöst. So öffnet sich automatisch eine Tür, ein Baum fällt um, oder eine Blaskapelle spielt den Radetzky- Marsch. „Vermutlich haben die vielen Druckknopfaktionen im Miniatur-Wunderland Hamburg die Hersteller inspiriert und diesen Trend mit angestoßen.“ Überhaupt sei das Spezialthema „Modellbahn“ durch den Erfolg von Hamburgs riesiger Modellbahn- Ausstellung auch für die breite Öffentlichkeit wieder interessanter geworden. „Was die Modellbahner für tolle Dinge in Kellern und auf Dachböden fabrizieren, bekommt ja normalerweise kaum einer mit.“ Mittlerweile beobachtet Roland Zötzl auch auf Publikumsmessen wieder vermehrt jüngere Besucher – was indes nichts am Verlauf der typischen Modellbahner-Karriere ändert: „Die meisten erben die Modellbahn-Leidenschaft von ihrem Vater. Sobald sie selbst Kinder bekommen, fehlt es an Platz und Zeit, also machen sie Pause – bis der Nachwuchs aus dem Haus ist. Dann werden die Weichen neu gestellt.“

Auch Roland Zötzl hat die Modellbahn-Leidenschaft an seinen Sohn weitergegeben. Der ist inzwischen 30 Jahre alt, vor drei Jahren selbst Vater geworden – und hat daraufhin seine Modelleisenbahn erstmal abgebaut, um Platz zu schaffen. Einen Bruch in der Modellbahn-Tradition der Familie wird es jedoch nicht geben: In seinem Kinderzimmer sammelt Zötzls Enkel gerade die ersten Erfahrungen – mit einer Lego-Eisenbahn.

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Zötzl beim Durchtrennen der Gleise eines Segmentübergangs des im Aufbau befindlichen ersten Schattenbahnhofs.
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Für Tekkies das Größte: die Elektronik auf der Testanlage, die einen automatischen 3-Zug-Betrieb mit Ausweichgleis störungsfrei steuert.

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