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Dieses Kamerastativ macht Wackelkandidaten zu Filmstars

Tekkie Story Dieses Kamerastativ macht Wackelkandidaten zu Filmstars
Per Crowdfunding zur Serienproduktion: Das mutige Start-Up-Team von Luuv.

Nie wieder verwackelte Filme: Das Start-up LUUV aus Berlin hat ein Schwebestativ für Actioncams und Smartphones entwickelt – und ermöglicht spektakuläre Profi-Aufnahmen für jedermann. Eine Erfolgsgeschichte, bei der treue Crowdfunding-Unterstützer eine tragende Rolle spielen.

Pulverschnee, scharfe Kurven, weite Sprünge, saubere Landungen. Alles mitgefilmt. Doch warum sieht das Ergebnis bei mir nicht so aus wie in der Werbung, obwohl ich die beste GoPro-Actioncam benutze, die auf dem Markt zu haben ist? Diese Frage stellt sich Felix Kochbeck immer wieder. Der gebürtige Münchner ist begeisterter Snowboarder. Ende 2012, nach einem Urlaub im Zillertal, reicht es ihm: „Meistens war es so, dass man nach zwei Tagen Snowboarden rund drei Stunden Material gefilmt hatte“, erzählt Kochbeck. „Und am Ende kamen nur dreißig Sekunden zusammen, die nicht verwackelt waren.“ Frustrierend. Kochbeck beschließt, eine eigene Lösung zu entwickeln, zugeschnitten auf die Bedürfnisse von Funsportlern wie ihm.

Ein Dreiachsgelenk trennt die Körperbewegungen von der Kamera

Kern des Problems: Es ist fast unmöglich, die kleinen und leichten Actioncams beim Fahren auf der Piste ruhig zu halten. Ein ausgleichendes Stativ muss her. „Zuerst habe ich mich natürlich umgeschaut, was bereits auf dem Markt war.“ Kein Modell kann das, was Kochbeck vorschwebt: zu teuer, zu unflexibel, zu kompliziert. Begünstig durch seinen ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund und mit Hilfe eines 3D-Druckers entwickelt Kochbeck innerhalb von drei Wochen neben dem Studium einen Prototyp: ein kleines Schwebestativ nach dem Vorbild der großen bei Film und TV verwendeten Steadicam. Mit einer Hand bedienbar, bestehend aus einem Dreiachsgelenk und diversen Gegengewichten. Das mechanische Wirkprinzip folgt physikalischen Gesetzen: Über das Gelenk trennt man die Bewegungen des Körpers von der Kamera. Die Gegengewichte richten die Kamera so aus, dass sie stabil bleibt.

Beim nächsten Snowboard-Trip setzt Kochbeck den Prototyp zum ersten Mal ein, filmt auf der Piste ohne allzu große Erwartungen ruhige Szenen und auch ein bisschen Action. Als er sich abends mit einem Freund die nun kaum noch verwackelten Aufnahmen anschaut, ist die erste Reaktion fast ungläubig: Haben wir das wirklich selbst gefilmt? Auf die Begeisterung folgt eine Erkenntnis: Da müsste man eigentlich dranbleiben.

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Unternehmensgründer und Funsportler Felix Kochbeck im Luuv-Büro.

Berliner Hardware-Start-up mit internationalen Ambitionen

Felix Kochbeck ist drangeblieben: Rund drei Jahre später ist aus der persönlichen Problemlösung in den Alpen ein Hardware-Start-up mit internationalen Ambitionen geworden. Eines, das kurz davorsteht, mit einem Massenprodukt in Serie zu gehen. Der passende Name: LUUV. Luv, das ist beim Segeln die dem Wind zugewandte, stabile Seite. Und weil sie zu viert sind und es sich prägnanter anhört, haben Kochbeck und seine Mitgründer noch ein „u“ hinzuaddiert.

„Bisher war Steadicam-Filmen unbezahlbar, mit LUUV möchte wir es demokratisieren.“

Das LUUV-Büro liegt in einem Kreuzberger Hinterhof, im ersten Stock einer ehemaligen Werkstatt. Felix Kochbeck sitzt am Schreibtisch und telefoniert. Er muss Flüge umbuchen, Termine koordinieren: eine Start-up-Konferenz in New York, Pressearbeit in San Francisco. LUUV nimmt Kurs auf eine entscheidende Phase: Es läuft der Countdown für eine groß angelegte Crowdfunding-Kampagne. O-Ton auf der Website: „A new era of steady filming has just begun. Now.“

Gegründet hat Felix Kochbeck das Unternehmen gemeinsam mit drei Freunden: Tobias Gerhardt, Friedrich-Paul Spielhagen und Tim Kirchner. Eine typische Start-up-Konstellation: Alle vier sind zwischen Mitte und Ende zwanzig, könnten ihre eigenen Kunden sein und haben für LUUV Studium oder Job an den Nagel gehängt. Wenn das Unternehmen so wächst wie bisher, wird das interdisziplinäre Gründerteam bald umziehen müssen: Marketing, Design, Produktionsplanung, Logistik, Vertrieb – längst arbeiten mehr als ein Dutzend Menschen auf fester und freier Basis an der Fortsetzung der Erfolgsgeschichte.

Crowdfunder als Investoren

Noch bis zum 31. Oktober 2015 können die beiden LUUV-Modelle im Rahmen einer groß angelegten Crowdfunding-Kampagne zum Sonderpreis vorbestellt werden. Von Anfang an haben Felix Kochbeck und seine Kollegen viel Wert darauf gelegt, einen engen Kontakt zu ihrer Kernzielgruppe aufzubauen und sie mit einzubeziehen. Und so ist es nur konsequent, dass eine australische und eine japanische Community-Managerin von Berlin aus den englischsprachigen und japanischen Markt betreuen.

„Wir sagen zu unseren treuen Crowdfundern: Ihr seid die Größten!“

Ein kurzer Rückblick zeigt, wie wichtig die Crowd für den Erfolg von LUUV war und ist: Zu Beginn läuft alles wie am Schnürchen. Kochbeck und Co kaufen für 2000 Euro einen eigenen 3D-Drucker. Immer wieder gehen sie raus, filmen, optimieren den Prototyp. Nach dem Gewinn des Berliner Hardware-Accelerator-Programms für Start-ups ziehen sie vom Home-Office ins Betahaus. In Berlins größtem Coworking Space bauen die LUUV-Gründer ihr Netzwerk weiter aus. Anschließend folgt der Umzug ins heutige Büro. Eine erste Crowdfunding-Kampagne bringt die Erkenntnis, dass der Markt größer ist als gedacht: Schnell kommen 65.000 US-Dollar zusammen, 15.000 mehr als erwartet. Zwischenfazit: Ab sofort planen wir ein Massenprodukt. Um größere Stückzahlen produzieren zu können, stellen sie den Plan für die Serienproduktion von 3D-Druck auf Spritzguss um. Das kostet Zeit, und so kann das junge Unternehmen den für September 2014 geplanten Auslieferungstermin nicht einhalten. Es gibt Start-ups, die an einem ähnlichen Punkt aufgeben mussten. LUUV erklärt den Unterstützern die Hintergründe und bietet an, das Geld für die Vorbestellungen zurückzuerstatten. Die offene und transparente Kommunikation kommt gut an: Fast alle Crowdfunder bleiben an Bord. Krise abgewendet.

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Marktreife Luuv-Stative für Actioncams.

Hobbyfilmer werden zu Actionfilm-Regisseuren

„Was unser Produkt kann, sieht man am besten im Split-Screen-Modus“, sagt Mitgründer Tim Kirchner. Er fährt mit der Maus über den PC-Bildschirm, bis sich drei Videofenster öffnen. Immer dieselbe Szene, aber aus unterschiedlichen Perspektiven: Amadei Weiland, der Vizeweltmeister im Parkour Running, läuft eine „Line“ über den Potsdamer Platz. Er springt über Hindernisse, macht Saltos, rollt sich ab – unmittelbar gefolgt von der Kamera. Eine Härtefall-Situation für jeden Kameramann: „Du kannst eigentlich nichts potenziell Verwackelteres machen, als beim Filmen zu rennen und Hindernisse zu überqueren.“ Kirchner hat die Szene selbst gedreht: mit je einer Actioncam in den Händen. Zweimal das gleiche Fabrikat, aber ein entscheidender Unterschied: Die eine sitzt auf einem LUUV-Schwebestativ, die andere nicht. In den Videos sieht man den Unterschied deutlich: In der Version ohne Schwebestativ schlagen sich Kirchners Sprünge und Bewegungen als Wackler nieder. Mit dem LUUV-Schwebestativ ist die Action wackelfrei, so als habe man extra eine Schiene für die Kamera aufgebaut. Der dritte Screen ist das „Beweisvideo“. Er zeigt eine Außenperspektive: Kirchner, wie er Amadei Weiland mit den beiden Kameras in der Hand folgt, quasi selbst am Sport teilnimmt. Sein Fazit: „Eher stolpert der Parkour Runner, als dass wir mit unserem Stativ einen Wackler im Bild haben.“

Der Kameramann stolpert: Auf dem Film ist kein Wackler zu sehen

Doch was ist, wenn der Kameramann selbst stolpert? Tim Kirchner zeigt ein weiteres Split-Screen-Beispiel: eine rasante Trial-Bike-Fahrt im Görlitzer Park. Der Fahrer springt mit seinem BMX-Rad über diverse Stufen, dreht sich in der Luft, landet, fährt weiter. Kirchner folgt ihm, springt von Ebene zu Ebene. Einmal stolpert er dabei fast, hält sich gerade noch auf den Beinen. „Ich als Mensch mache hier jetzt gerade einen Fehler“, sagt Kirchner und zeigt auf den Bildschirm. „Und genau in dem Moment ergänzen sich Mechanik und Elektronik und fangen das auf. Kein Wackler zu sehen.“ Was Kirchner meint, sind die Fähigkeiten des Stativ-Modells „UltraLUUV“. Dieses arbeitet mit einem zusätzlichen elektronischen Gimbal auf dem Stativkopf. So wird jede noch so kleine Erschütterung ausgeglichen. Das sei ideal für Profis, die nur eine einzige Gelegenheit zum Drehen hätten, sagt LUUV-Chef Felix Kochbeck, der sein Telefongespräch inzwischen beendet hat und dazustößt. „Zum Beispiel Dokumentarfilmer oder Sportjournalisten.“ Für den normalen User reiche die Basisversion „solidLUUV“ jedoch völlig aus. „Wer möchte, kann später immer noch ein Modul nachkaufen und auf ultraLUUV aufrüsten.“

Zielgruppe: Funsportler, Immobilienmakler, Dokumentarfilmer, YouTuber …

Neben der Technik spielt bei LUUV auch die Außenwirkung eine entscheidende Rolle. „Wir müssen uns vor allem als attraktive Lifestyle-Marke präsentieren“, betont Felix Kochbeck. Durch die Kooperation mit Testimonials wie Amadei Weiland hat LUUV die Kernzielgruppe der Fun- und Actionsportler fest im Visier: „Da kennen uns schon viele.“ Doch Kochbeck sieht auch darüber hinaus einen wachsenden Markt: „Im Bewegtbildbereich passiert gerade sehr viel – nicht zuletzt durch Rechner, die immer besser mit großen Datenmengen umgehen können.“ Von dem neuen Schwebestativ profitieren könnten somit viele: Immobilienmakler, die zur Website-Präsentation einer Wohnung ohne viel Aufwand eine „Kamerafahrt“ erstellen möchten. Oder Kunden aus der Filmbranche, die wissen, wie aufwendig und teuer eine professionelle Steadicam ist. Ebenso Journalisten, die crossmedial arbeiten.

„Früher mussten Kameraschienen verlegt werden, heute reicht unser Einhand-Stativ.“

In Zeiten, in denen in jedem neuen Smartphone eine HD-Kamera integriert ist, schielt LUUV aber auch auf die breite Masse: Wackelfreie Handyfilme sieht schließlich jeder gern. „Für uns ist es gut, dass sich viele Leute durch die Selfie-Sticks daran gewöhnt haben, ein Stativ zu benutzen“, bestätigt Felix Kochbeck. Denn auch auf dem LUUV-Stativ können problemlos Smartphones montiert werden. Das Gleichgewichtssetting lässt sich entsprechend abstimmen. Für Kameras gibt das Plug-and-Play-System eine Gewichtsobergrenze von 500 Gramm vor.

Start-up liebt Community – Community liebt Start-up

Bei der aktuellen Kickstarter-Kampagne hat LUUV schon nach zwei Tagen das angepeilte Ziel von 100.000 Euro erreicht. Langsam, aber sicher treiben die Unterstützer die Summe Richtung 200.000-Euro-Grenze. Ein gute Vorlage für Investorengespräche: Im Herbst wollen Felix Kochbeck und Kollegen darüber entscheiden, ob sie externe Geldgeber mit ins Boot holen. „Wir haben ein gutes Netzwerk und schon mit einigen geredet.“ Die Kunden müssen noch ein wenig Geduld haben: Geplanter Auslieferungstermin der LUUV-Stative ist April 2016.

„Technik allein reicht nicht, wir müssen auch eine attraktive Lifestyle-Marke sein.“

Die vier LUUV-Gründer beweisen, dass es inzwischen auch für Hardware-Start-ups möglich ist, über „Schwarmfinanzierung“ ein marktreifes Produkt zu entwickeln. Vielleicht hat das nicht zuletzt deswegen so gut geklappt, weil hinter LUUV nicht nur kluge Technik, sondern auch eine gute DIY-Geschichte steht. Eine Geschichte, die Funsportler sofort nachvollziehen können: Ein Snowboarder will seine eigenen Stunts filmen. Alles verwackelt? Na gut, dann entwickelt er eben selbst das nötige Stativ und gründet mit seinen Kumpels ein Unternehmen. Ein Unternehmen, das die Filmbranche revolutionieren könnte. Diese Geschichte ist so gut, dass man sie nicht erfinden kann.

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