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Kleinsteuerung ohne „Zwangsjacke“

Tekkie Story Kleinsteuerung ohne „Zwangsjacke“
Hier begann die Controllino-Story: Marco Riedesser in seiner Entwickler-Werkstatt

In Innsbruck konzipiert, in Bayern gefertigt, weltweit gefragt: Marco Riedesser hat eine speicherprogrammierbare Steuerung auf Arduino-Basis entwickelt, die sowohl Hobbybastler, als auch B2B-Kunden anspricht: Den Controllino.

20.000 verkaufte Produkte bis Ende 2016: Wenn Marco Riedesser sein erstes Etappenziel erreicht, könnte er zum Shootingstar unter den österreichischen Hardware-Start-ups avancieren. Dabei wollte er vor zwei Jahren eigentlich nur die Espressomaschine seines Schwagers reparieren: „Ein hochwertiges Gerät aus Edelstahl, das man nicht einfach so wegschmeißt.“ Seine erste Diagnose: Elektronik durchgebrannt, nichts mehr zu machen. Doch ganz so schnell wollte sich der gebürtige Vorarlberger, der in der Schweiz studiert und bei mehreren Elektronikkonzernen gearbeitet hat, nicht geschlagen geben. Seine Profi-Entwickler-Ehre stand auf dem Spiel. „Eine neue Leiterplatte zu designen, um die Maschine wieder zum Laufen zu bringen, wäre zu teuer gewesen.“ Stattdessen baute Riedesser den zigarettenschachtelgroßen Mikrocontroller Arduino in die Espressomaschine ein. „Das war Ende 2013, als das Internet der Dinge boomte und der Arduino gerade dabei war, seinen Siegeszug im Bereich der Hausautomation anzutreten.“

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Von der Idee zur Serienreife: Links ein früher Prototyp, rechts ein aktueller Controllino MEGA in der Testphase

Eine defekte Espressomaschine als Initialzündung für ein Start-up

Mit dem Arduino-Einbau gelang es Riedesser, der Elektronik der Espressomaschine schnell und kostengünstig neues Leben einzuhauchen: Heizung und Pumpe des Geräts ließen sich wieder schalten, sein Schwager freute sich. Bei Riedesser hinterließ die Reparatur nachhaltige Wirkung: ein Prozessor, eine Platine, diverse Ein- und Ausgänge, eine Programmieroberfläche – das alles Open Source und mit einigen Vorkenntnissen recht einfach zu bedienen. „Ich war total fasziniert von den Arduino-Vorteilen und habe mich gefragt, ob es eigentlich eine industrietaugliche Arduino-Lösung auf dem Markt gibt – eine mit Schutzgehäuse, die auch bei höheren Voltzahlen funktioniert.“ Es gab keine – zumindest keine, die Riedessers Ansprüchen genügte. Spontane Reaktion: „Gut, dann muss ich das eben selbst entwickeln.“

Industrietaugliche Kleinsteuerung auf Arduino-Basis: Der Controllino

Den aus der „Operation Espressomaschine“ hervorgegangenen Prototyp hat Marco Riedesser immer noch. Längst ist aus der Ursprungsidee eine Produktfamilie mit internationalen Ambitionen geworden – der Controllino, zu haben in drei Varianten: Mini, Maxi und Mega. Doch was unterscheidet den Controllino vom Arduino? Der 39-Jährige sitzt auf der Sofagarnitur seines Bürolofts in einem Innsbrucker Gewerbegebiet und erzählt: „Der Arduino ist super für Anwendungen, die ein Minimum an Strom erfordern.“ Der Controllino ist hingegen nach der Devise „mehr Strom, mehr Schutz“ weitaus robuster konzipiert: „Wir haben im übertragenen Sinne Mauern um den Arduino-Kern herumgebaut – dazu einige Zugbrücken und Zwischengeschosse, damit man in der Automatisierung
wirklich ein Feuerwerk zünden kann.“

„Das Schutzgehäuse des Controllino ist so konzipiert, dass man in der Automatisierung ein Feuerwerk zünden kann.“

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Alle Controllino Modelle funktionieren mit hoher Spannung.

In der Gründungsphase habe er zunächst die Zielgruppe der privaten Smart-Home-Tekkies, die ihr Garagentor oder ihr Rollo automatisch steuern wollen, im Kopf gehabt: „Solchen Bastlern, bei denen auch mal die Funken fliegen, wollte ich helfen, damit sie mit den Relais besser klarkommen.“ Anders als beim Arduino könne beim Controllino nämlich sofort und ohne zusätzliche Transistorschaltung jede 230-Volt-Quelle angehängt werden – sei es eine Kaffeemaschine, eine Lampe oder ein Kühlschrank. Den großen Vorteil seiner Hardware-Entwicklung sieht Riedesser dementsprechend in der vielfältigen Verwendbarkeit: „Der
Controllino ist maximal kompatibel, verfügt je nach Modell über eine hohe oder sehr hohe Zahl der gängigen Anschlüsse und ist frei
programmierbar.“ Ideal für Nutzer mit technischem Grundwissen, die in der Hausautomation an individuellen, herstellerübergreifenden Lösungen interessiert sind: Smart Home ohne Zwangsjacke.

Crowdfunding als PR-Kampagne

Als Marco Riedesser im Frühjahr 2014 zur Anschubfinanzierung eine Crowdfunding-Kampagne startete, erweiterte sich die Zielgruppe. „Ich dachte nur: Hoppala, da melden sich ja auch jede Menge Firmen.“ Der Elektronikingenieur gewann rund 200 Unterstützer, die ihm mehr als 60.000 Euro Kapital zur Verfügung stellten. „Mindestens genauso wichtig war aber der PR-Effekt.“ So ist der informativ-humorvolle Begleitclip zum Crowdfunding bei YouTube bis heute rund 50.000 Mal abgerufen worden. „Das ist sehr viel für so ein spezielles Produkt wie den Controllino“, findet Riedesser. „Und es werden immer noch viele Kunden über den Clip auf mich aufmerksam.“

Neben privaten Käufern und Kunden aus dem Hochschul- und Bildungsbereich hat sich der B2B-Anteil bei rund einem Drittel eingependelt – darunter bekannte Namen aus der Automobil- und Technologiebranche. „Große Unternehmen nutzen den Controllino meistens für Prüfanwendungen.“ Kleinen und mittleren Unternehmen bietet Riedesser sein Steuerungssystem auch als OEM-Produkt an. Die Abkürzung steht für Original Equipment Manufacturer – was bedeutet: „Eine Firma kann den Controllino serienmäßig in ihr Produkt einbauen und wenn gewünscht mit eigenem Logo versehen.“

Entwicklung in Innsbruck, Produktion in Bayern

Seit dreieinhalb Monaten ist der Controllino auf dem Markt. Marco Riedesser hat bereits Kunden- und Distributorenanfragen aus über 30 Ländern erhalten. Einen Umzug aus dem eher beschaulichen Innsbruck in eine Start-up-Metropole wie Berlin oder gar San Francisco hat er jedoch nie in Erwägung gezogen. „Für eine solide Hardware-Entwicklung wie meine ist Tirol ein guter Standort.“  Vor Ort entwickelt und testet er die Produkte, bedruckt die Kunststoffgehäuse per Laser. Die Produktion läuft über die im Münchener Umland beheimatete Lacon Electronic GmbH – ein B2B-Unternehmen, das sich erfolgreich auf die Kooperation mit Hightech-Start-ups in der Gründungs- und Wachstumsphase spezialisiert hat. Die Controllinos: eine österreichische Produktfamilie mit deutschem Patenonkel.

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Die Controllino-Gehäuse werden mit Laser beschriftet und sind fertig für die Auslieferung.

Als nächstes im Fokus: Weiterentwicklung und Investorensuche

Wenn Marco Riedesser bei der Arbeit durch die Bürofenster schaut, fällt sein Blick aus dem ersten Stock auf eine Schreinerei und einen Klebstoffgroßhandel, inklusive Alpenpanorama. „Ich merke davon sowieso nichts“, sagt er und grinst. Der Mann steht ständig unter Strom, ist fixiert auf seine Visionen. In den nächsten zwei bis drei Jahren möchte er vom Controllino zwischen 50.000 und 75.000 Exemplare verkaufen. Außerdem tüftelt er längst an weiteren Produkten. „Um diese Entwicklungen voranzutreiben, möchte ich mein Team vergrößern und außerdem Investoren mit ins Boot holen.“

Spielzeugauto mit Controllino-Power

Vorerst wartet auf Marco Riedesser jedoch noch eine ganz andere Herausforderung: Er ist wieder mal als Reparierer gefragt. In einer Ecke des Büros steht ein Spielzeugauto mit Elektroantrieb. Es gehört dem vierjährigen Sohn seiner Schwester. Diagnose: Motor kaputt. Als Kind, erzählt Riedesser, habe er einmal das Radio seines Vaters komplett auseinander- und wieder zusammengebaut. „Danach hat es nicht mehr funktioniert.“ Wenn Riedesser heute etwas auseinander- und wieder zusammenbaut, funktioniert es danach sogar besser als vorher. Wenn also bald ein Kleinkind auf einem Elektroauto aus Kunststoff über Innsbrucks Bürgersteige tuckert und die Scheinwerfer dabei ein kleines LED-Feuerwerk veranstalten, dann hat vermutlich Marco Riedesser mit seinem Controllino die Finger im Spiel gehabt.

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Marco Riedesser in seinem Innsbrucker Büro-Loft.

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