JavaScript deaktiviert! Das Abschicken einer Bestellung ist bei deaktiviertem JavaScript leider NICHT möglich!
Es stehen Ihnen nicht alle Shopfunktionalitäten zur Verfügung. Bitte kontrollieren Sie Ihre Interneteinstellungen. Für ein optimales Einkaufserlebnis empfehlen wir, JavaScript zu aktivieren. Bei Fragen: webmaster@conrad.de
{{#unless user.loggedIn}} {{#xif " digitalData.page.category.pageType !== 'checkout_confirmation' " }}
{{/xif}} {{/unless}}

Smart-Home für Haushühner

Günther Bauers Kreativwerkstatt.

Eine ferngesteuerte Hühnerstalltür, Strom aus Wind und Sonne, eine Lampe als Weintestgerät: Der Südtiroler Günther Bauer bastelt individuelle Tekkie-Lösungen.

Lotte, Erni, Nicki und Pauline gackern, gurren und scharren im Sand, und manchmal legen sie ein Ei. So weit, so normal – wäre da nicht etwas, das komplett aus dem Haushuhnrahmen fällt und wahrscheinlich einmalig auf der Welt ist: Lotte, Erni, Nicki und Pauline haben eine eigene Handynummer. Verantwortlich dafür ist Günther Bauer. Der Weg zu seinem Hühnerstall führt vorbei an Obstbäumen und Weinreben. Vögel zwitschern, ein Hahn kräht, und der Blick fällt auf einen Kirchturm und die Hänge des Mendelkamms.

Ein Autofensterheber als Hühnerstallöffner

Bauer öffnet die Gittertür des glasüberdachten Geheges. Der 63-Jährige aus der Gemeinde Eppan an der Weinstraße trägt Kunststoffclogs, Shorts und eine Arbeitsweste. Hätte man ein handwerkliches Problem, so würde man nicht zögern den sportlichen Typ mit Stirnglatze und freundlich blitzenden Augen um Rat zu fragen. „Als wir uns Ende der 1990er Jahre die ersten Hühner zugelegt haben, wusste ich sofort, welche Bauteile ich brauchte, um ihre Sicherheit zu verbessern“, erklärt Bauer. Lotte, Erni, Nicki, Pauline und zehn weitere Artgenossen flüchten gackernd in die Ecken. „Die sind immer ein Bisschen nervös, wenn neue Personen reinkommen.“ Bauer bleibt vor dem mit Lärchenholz verkleideten Hühnerstall stehen. „Normalerweise öffnen und schließen wir die Tür manuell,. Damals standen wir vor der Frage, wie man sie morgens und abends fernbedienen könnte, wenn wir unterwegs oder ein paar Tage im Urlaub sind.“ Der Grund für die Operation Hühnersicherheit: In der Region streifen oft Füchse und Marder durch die Nacht. Günther Bauer fand eine kreative Lösung auf der Höhe der Zeit: Er montierte einen automatischen Auto-Fensterheber aus einem Nachrüst-Bausatz an die Außenwand des Stalls. Exakt so, dass die Hühnerstalltür über eine Schnur in die Konstruktion zum Senken und Heben eingehängt werden konnte. Um die Tür per Funk zu öffnen oder zu schließen, vernetzte er den Hebemotor mit einer aus diversen Bausätzen und Kabeln bestehenden Basisstation, die rechts neben dem Stall auf einem Regalbord steht. „So haben unsere Hühner ihre eigene Telefonnummer bekommen.“ Bauer zeigt auf ein klobiges 90er-Jahre-Motorola, das an der Wand justiert ist. „Ich benutze immer noch das gleiche Handy und die gleiche Technik, alles funktioniert wie am ersten Tag.“

Ein Autofensterheber als Hühnerstallöffner.

 „Meine Smart-Home-Lösung für Hühner funktioniert seit 16 Jahren mit einem alten Motorola-Handy.“

Das Hühnerhandy von Eppan

Günther Bauer demonstriert seine Installation: „Momentan ist die Hühnerstalltür geschlossen. Nehmen wir mal an, ich wüsste das nicht und würde von außerhalb anrufen, um den Status zu kontrollieren.“ Von seinem Smartphone aus baut er eine Verbindung zum Hühnerhandy auf und stellt den Lautsprecher auf laut. Zu hören ist seine eigene Stimme: „Hühnerstalltür geöffnet.“ Die Ansage klingt metallisch. Kein Wunder: Bauer hat sie bereits vor 16 Jahren aufgenommen. „Wenn ich nun auf meinem Smartphone die Ziffer 2 antippe, löse ich den automatischen Tür-Mechanismus aus, und je nachdem öffnet oder schließt sich die Tür.“ Bauer tippt, prompt senkt sich die Hühnerstalltür nach unten, und die Ansage ändert sich: „Hühnerstalltür geschlossen.“ Eine einfache und effektive Technik, die auch ohne Highspeed-Internet und Glasfaserkabel auskommt. Rein theoretisch könnte man von jedem Telefon der Welt in Günther Bauers Hühnerstall anrufen. Doch die Nummer und den notwendigen Freischaltcode kennen nur er und seine Frau. Inzwischen überwacht Bauer die Hühnerstalltür und das Innengehege zusätzlich per Kamera. Einmal habe er sogar mit dem Gedanken gespielt, via Internet einen kleinen Roboter durch das Gehege zu steuern, der die Hühner abends in den Stall scheuche. Doch das elektrische Helferlein wäre arbeitslos gewesen: „Die Hühner gehen immer von selbst rein, sobald es dunkel wird.“

Die Nummer kennen nur Bauer und seine Frau.

Smart-Home für Haustiere

Im Alltag ist Günther Bauer im Hühnergehege nur selten anzutreffen. „Ich bin eher derjenige, der hier anruft.“ Er schmunzelt. „Die Betreuung übernimmt meine Frau. Sie hat auch die Idee gehabt, dass wir uns Hühner zulegen. 1999, als es in Belgien den Dioxin-Eier-Skandal gab.“ In den großen Legeställen der Massentierhaltung leben Hühner maximal drei bis vier Jahre, bei Familie Bauer bis zu elf. Dazu trägt sicher auch der großflächig eingezäunte Auslauf vor dem Gehege bei. Dort dürfen Lotte, Erni, Nicki, Pauline und ein Hahn namens Kohlrabi nachmittags spazieren gehen. „Wir tun alles, damit es ihnen gut geht, dafür beschenken sie uns mit frischen, leckeren Eiern.“ Hühner als Haustiere!

Natur und Technik im Einklang

Das Hühnerhandy war nur der Anfang. Auf den ersten Blick ist das hügelige Weingut der Bauers eine Idylle, mit der man Südtirol-Reiseführer illustrieren könnte. Auf den zweiten Blick wird deutlich, dass Günther Bauer das 5000-Quadratmeter-Grundstück überall an die moderne Technik angeschlossen hat: Auf dem Dach des Wohnhauses und zwischen den Weinreben drehen sich Windräder und erzeugen Strom. Außerdem speichert eine Photovoltaik-Anlage die Energie der Sonne. Das Regenwasser vom Hausdach sammelt Bauer in zwei großen Tanks. Mit diesen versorgt er die Weinreben durch eine unterirdische Tropfberegnungsanlage. Dabei misst eine Wetterstation, wie viel Niederschlag gefallen und wie viel Wasser zusätzlich nötig ist.

 „Bei mir besorgen Wind und Sonne die Energieversorgung.“

Im Garten hinter dem Haus liegt das Reich, in dem Günther Bauer seine Tekkie-Lösungen plant und umsetzt. Von der offenen Werkstatt hat er einen Panoramablick ins Paradies: endlose Weinreben vor grüner Alpenkulisse, 300 Sonnentage im Jahr inklusive. Der schönste Arbeitsplatz in Südtirol? Der pensionierte Rundfunk- und Fernsehtechniker ist keiner, der gerne in Superlativen schwelgt. Er lächelt, zögert kurz. Dann sagt er: „Ja, das könnte schon sein“, und fügt ironisch hinzu: „Man darf sich bloß nicht umdrehen.“

Ein Kreativlabor wie bei Daniel Düsentrieb

Dreht man sich doch um, eröffnet sich das organisierte Chaos: „Günthers Kreativwerkstatt“ – so steht es auf einem kleinen Holzschild unter der Decke. „Das muss unbedingt schief hängen, sonst würde es nicht passen“, sagt Ebner über das Geburtstagsgeschenk eines Freundes. Dann bittet er mit scherzhaftem Unterton: „Hier nicht aufräumen, sonst finde ich nichts mehr wieder.“ In dem verwinkelten Unterstand stapeln sich Tausende Einzelteile und technische Geräte. Jeder freie Platz ist vollgestopft. An den Decken hängen Verlängerungskabel und Schläuche. Die Regale sind bis zur Decke mit Krimskrams und Ersatzteilen belegt. Auf dem Boden stehen Kartons mit neu bestellten Technikprodukten, und ein selbstgebauter Lastenaufzug führt in den Keller. Eine geniale Unordnung, die in dieser komplexen Form nur über lange Jahre wachsen kann. Wenn das Leben der Comic-Figur Daniel Düsentrieb, des wohl berühmtesten Tüftlers aller Zeiten, jemals real verfilmt wird, dann müsste sein Labor genauso aussehen wie die Werkstatt von Günther Bauer.

Außerhalb von Günther Bauers Tekkie-Reich sind die Aufgaben klar verteilt: Evi Bauer sorgt dafür, dass es ästhetisch aussieht – mit liebevoll arrangierten Bildern und Kunstwerken, einem gemütlichen Weinkeller und einer überdachten Garten-Sitzecke. Ihr Mann optimiert, was technisch zu optimieren ist – bis hin zu dem kleinen Brunnen, der durch Sonnenenergie und einen Inverter angetrieben wird. Neben einem der Windräder ist ein Lautsprecher montiert: Über dem Weinberg schwebt klassische Musik. Ihm habe mal jemand erzählt, durch die Musik werde der Wein besser, erzählt Bauer. „Wenn es hilft, dann hilft es – wenn nicht, ist es auch okay.“ So oder so schaffen es die Bauers, Technik und Natur in Einklang zu bringen. Auch bei der Schädlingsbekämpfung setzen sie auf ein Insektenhotel und Dutzende Meisen-Brutkästen – und nur begrenzt auf Chemie. Günther und Evi Bauer waren ihrer Zeit voraus: Sie gewinnen schon seit langem ihren eigenen Ökostrom. Und sie hatten schon Hühner, lange bevor Buch-Ratgeber wie „Hühner halten im Garten – Der Weg zum eigenen Bio-Ei“ auf den Mainstream-Markt kamen. Gleichzeitig genossen ihre Hühner bereits eine auf den Federleib zugeschnittene Smart-Home-Lösung, als die meisten Menschen von einer technischen Sicherheitsüberwachung ihres Heimes nur träumen konnten. Günther und Evi Bauer machen all das nicht, um irgendjemandem zu imponieren. Sondern aus Spaß und Leidenschaft. Ein Modellprojekt ohne Modellprojekt-Ambitionen.

Eine Deko-Lampe als Weintestgerät

Fragt man Günther Bauer, ob er neben der Smart-Home-Lösung für Hühner noch weitere Dinge erfunden hat, winkt er ab: „Ich mache keine Erfindungen, ich stelle bereits existente Technik zu einem neuen Zweck zusammen.“ Schon in seiner Kindheit habe das angefangen: Mit elf Jahren baute er mit aufladbaren Speicherelementen ein Ladegerät für Batterien. „Damit wir nicht immer neue nachkaufen mussten.“ Das war Anfang der 1960er Jahre, lange bevor Batterieladegeräte zum Massenprodukt wurden. „Eine Kleinigkeit“, stapelt Bauer tief.

Nun führt er im Weinkeller eine Tekkie-Lösung vor, die er für die hofeigene Weinproduktion erdacht hat. Das Ausgangsproblem: Um Wein haltbar zu machen, muss er mit Schwefel versetzt werden. Doch wie misst man, ob der Schwefelgehalt im Rahmen der üblichen Grenzwerte liegt? Bauers Lösung: eine kleine, stabförmige Deko-Lampe. In diese war bereits ein Quirl eingebaut, um eine Flüssigkeit in Bewegung zu setzen und Lichteffekte wie bei Lavalampen zu erzielen. Bauer entfernte den oberen Teil der Lampe und entnahm die Flüssigkeit. Fertig war sein Weintester.

"Ich mache keine Erfindungen, ich stelle bereits existente Technik zu einem neuen Zweck zusammen."

Jetzt hat er auf dem Tisch im Weinkeller neben der umgebauten Lampe die notwendigen Zutaten für den Schwefeltest bereitgestellt. Zunächst zieht er über eine Spritze eine kleine Menge des hauseigenen Weißburgunders ein und leert sie in die Lampenröhre. Er nimmt ein Fläschchen und lässt zwei Tropfen Kontrastflüssigkeit in die Röhre tropfen. „Als Nächstes wird umgeschwenkt.“ Er drückt auf den An-aus-Schalter der Lampe. Von der Lampe beleuchtet vermischt der Quirl Wein und Kontrastmittel. Dann gibt Bauer einige Tropfen einer Spezialsäure hinzu und betätigt erneut den Schalter. „Fehlt noch die Titrationslösung.“ Diese zieht Bauer durch eine kleine Pipette mit Messfunktion ein und gibt sie in die Lampe. In dem Moment, in dem sich die Farbe ändert und von Strohgelb auf Blau umschlägt, kann er den Schwefelgehalt an der Pipette ablesen. „30 Milligramm pro Liter, das ist optimal.“ Klar gebe es für derartige Tests professionelle Geräte, sagt Bauer. „Aber meine Unikatlösung erfüllt auch ihren Zweck.“

Bauers geniale Unordnung.

Gesichtserkennung für Hühner

Bei einem Glas Wein berichtet Günther Bauer von seinem nächsten Smart-Home-Experiment: Er will weitere Sicherheitskameras anschaffen. Solche, die sich die Gesichter von bekannten Personen merken können und Alarm geben, wenn Unbekannte das Gelände betreten. „Ich werde mir genau anschauen, wie das technisch funktioniert, und dann versuchen, die Gesichtserkennung auf die Hühner zu adaptieren.“ Eine typisch Bauer-Idee: vorhandene Technik neu interpretieren. Von der Position der Kamera hat er bereits sehr konkrete Vorstellungen: Sie müsste direkt vor die Stalltür montiert werden, so dass man die Hühner beim Eintreten im Profil filmen kann. „Vielleicht sind sie dabei zu schnell unterwegs. Mal schauen, ob die Technik das schafft.“

"Als Nächstes möchte ich ausprobieren, ob Sicherheitskameras die Profile von Hühnern unterscheiden können."

Wenn Günther Bauer ein „Ich zeig euch mal, wie toll ich bin!“-Mensch wäre, würde er womöglich versuchen, seine Smart Home-Ideen zu erweitern und professionell zu vermarkten. Stattdessen wird er vermutlich niemandem davon erzählen, wenn die Hühner-Gesichtserkennung wirklich klappt – außer seiner Frau Evi. Selbstbewusste Bescheidenheit statt eitler Selbstdarstellung: Nicht nur seine Werkstatt, auch Günther Bauers Attitüde erinnert an den bereits erwähnten Daniel Düsentrieb. Über den steht bei Wikipedia geschrieben: „Er macht seine Erfindungen aus Freude an der Arbeit statt aus finanziellem Interesse und passt in das Klischee des Garagenerfinders.“ Ein passender Fun Fact zum Abschluss: Daniel Düsentrieb lebt zwar in Entenhausen, ist aber keine Ente, sondern – genauso wie Lotte, Erni, Nicki, Pauline und Kohlrabi – ein Huhn beziehungsweise ein Hahn.

Auch Bauer passt ins Klischee des Garagenerfinders.

Starte deine eigene Tekkie-Story