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Stadt, Land, Fluss mit Gleisanschluss

Tekkie Story Stadt, Land, Fluss mit Gleisanschluss
Gerhard Dauscher präsentiert ein Volksfest für die Augen: Alle 20 Minuten wechselt hier der Tag zur Nacht – mit Lichttechnik, die fasziniert.

Schienen und Straßen, Berge und Täler, Strände und Meere, Städte und Länder – Chefmodellbauer Gerhard Dauscher gewährt Einblick in die kreativ-humorvolle Welt von Hamburgs Touristenattraktion Nummer eins: das Miniatur-Wunderland.

So sieht Schweizer Alpenidylle aus: eine Eisenbahn auf einer atemberaubenden Steilhangstrecke. Ein Schäfer mit Herde auf einer Höhenstraße. Grasende Kühe am Rande eines Bergdorfs. Und unten im Tal geschäftiges Treiben in einem malerischen Städtchen. Über all dem thront der Gipfel des Matterhorns. Doch dann klappt im Tal plötzlich der Erdboden auf, und der Kopf eines Riesen erscheint. Allerdings: Der Riese ist echt und normalgroß, und die Schweiz ist klein und ein Modell. Das wissen natürlich auch die Gäste des Miniatur-Wunderlands in der Hamburger Speicherstadt, die hinter den Absperrgeländern das Geschehen verfolgen. Und doch scheinen die meisten so sehr von den Landschaften, Zügen, Gebäuden und Figürchen im Maßstab 1:87 gebannt zu sein, dass sie das Eindringen eines echten Menschen in diese Zone, die frei von echten Menschen ist, überrascht. Die Operation durch die Luke dauert indes nur Sekunden: ein paar justierende Handgriffe an der Bahn- Oberleitung, und schon klappt der Erdboden im Tal wieder zu.

„Schöpfungsgeschichte“ mit mehr als 1,2 Millionen Besuchern im Jahr

Was keiner der Wunderland-Besucher ahnt: Der „Riese“, der soeben die Miniatur-Idylle gestört hat, ist auch derjenige, der sie erschaffen hat. Als Leiter der Modellbauabteilung hat Gerhard Dauscher das Miniatur-Wunderland zur erfolgreichsten Touristenattraktion Hamburgs gemacht. Seit dem Baubeginn Ende 2000 hat er mit seinem Team auf einer 1300 Quadratmeter großen Modellfläche rund 15,4 Kilometer Gleise verlegt. Darauf fahren fast 1000 Züge, die insgesamt über 10.000 Waggons hinter sich herziehen. Hinzu kommen rund 9000 Autos, 280 davon fahrend. Außerdem 120.000 Bäume und mehr als 230.000 Figuren, davon 15.000 handgefertigt – und als Highlight ein 150 Quadratmeter großer Miniatur-Flughafen („Knuffingen Airport“).

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Das Miniatur-Wunderland ist berühmt für unglaubliche Detailtreue. Besonders in der Architektur und in den Naturnachbildungen.

„Die Steuerung der Züge, Autos und Flugzeuge und die Tag- und Nacht-Simulation erfolgen über einen inzwischen ziemlich massiven Elektronikapparat, der unter der Anlage versteckt ist“, erklärt Dauscher. „Hinzu kommen die vielen Druckknopfaktionen, über die der Besucher selbst ins Geschehen eingreifen kann.“ Eine Mini-Welt, gestalterisch und technisch bis ins kleinste Detail ausgefeilt. Klar, dass angesichts der Größe der Anlage trotzdem hier und da „Unfälle“ und Defekte passieren und der Chefmodellbauer und sein Team – so wie gerade – auch mal in den laufenden Wunderland-Betrieb eingreifen müssen.

Weltentdecker mit Modellbau-Sozialisation

Von der kindlichen Faszination zur beruflichen Leidenschaft: Wenn der aus dem Raum Regensburg stammende Gerhard Dauscher von der Vergangenheit erzählt, wird schnell klar, warum er ein geborener Modellbau-Tekkie ist. Schon im Alter von sieben Jahren spielt er mit einer einfachen batteriebetriebenen Lego-Eisenbahn. Zwei Jahre später rüstet er auf, bekommt seine erste „richtige“ Modelleisenbahn geschenkt. „Man legt einen Schalter um, und schon passiert etwas. Genial!“ Etwas später beginnt er auch, kleine Gebäude und Landschaften um die Schienen herumzubauen: „Damals gab es nur wenige fertige Elemente, und wir haben noch mit Zahnstochern als Straßenlaternen und Styropor und Pappmaché für die Gestaltung gearbeitet.“ Mit 16 Jahren, längst unheilbar vom Modellbauvirus befallen, absolviert Gerhard Dauscher eine Lehre als Werkzeugmacher bei einem Modellbahnhersteller in der Nähe seiner Heimatstadt. „Mit sehr feiner und präziser Technik zu arbeiten, hat mich schon damals total fasziniert.“ Durch zahlreiche Reisen als Jugendlicher und junger Erwachsener kommt etwas hinzu, das Dauscher heute als „Weltinteresse“ bezeichnet: „Ich bin fasziniert davon, neue Landschaften und Kulturen zu erleben.“ Gesehenes und Erlebtes modellbautechnisch so umzusetzen, dass es „lebt“ und die Fantasie des Betrachters anregt: Das ist bis heute Dauschers Vision – und bildet die kreative Basis des Miniatur-Wunderlands.

Typisch Schweiz: Matterhorn, Schokofabrik und DJ Bobo

Egal ob Österreich, Schweiz, Hamburg, Amerika oder Skandinavien: Das, was Dauscher und sein Team in den verschiedenen Abschnitten der Modelleisenbahnanlage zeigen, ist immer nur ein kleiner Ausschnitt aus der Realität. „Die Gleispläne und die Konzeptplanung kommen von mir“, erzählt der 50-Jährige. „Der Rest wird in viele kleine Bereiche aufgeteilt.“ Insgesamt beschäftigt das Miniatur-Wunderland rund 350 Mitarbeiter. „Vor jedem neuen Bauabschnitt fragen wir uns: Was gibt es für typische Szenen und Erlebnisse? Welche Regionen und Landschaften könnten eine Stadt oder ein Land repräsentieren?“ So blieben zum Beispiel bei der Schweiz am Ende nur 3 von 26 Kantonen übrig. In der fertigen Modellbaulandschaft gehen sie fließend ineinander über: Graubünden, Wallis und Tessin – jeweils mit den charakteristischen Gebäuden und Merkmalen, inklusive Luxushotels, einer mittelalterlichen Burg und einer Schokoladenfabrik.

"Mit dem Miniatur-Wunderland haben wir das Thema Modelleisenbahn aus dem Keller nach oben geholt und für alle interessant gemacht – auch für Frauen."

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Die Schweiz: 15 Tonnen Stahl und 4 Tonnen Gips auf 250 m2 – und doch sind es die winzigen technischen Details, die alle begeistern.

„Kommen Sie, ich zeige Ihnen mal Italien“, sagt Gerhard Dauscher „Das ist unser aktuelles Bauprojekt.“ Er spaziert die Treppe hinunter, welche die Wunderland-Besucher vom oberen Teil der Schweiz in den unteren führt. Vorbei am Bahnhof eines mondänen Bergdorfs, das St. Moritz nachempfunden ist, aber aufgrund von Namensrechten nicht so heißen darf. „Wir haben das Dorf dann einfach St. Max genannt“, sagt Dauscher und grinst. Die gleiche humorvoll-ironische Leichtigkeit zeigt sich auch bei der Open-Air-Konzert-Simulation des Schweizer Musikers DJ Bobo weiter unten im Tal: Die extrem realistische Umsetzung mit 21.300 handgeklebten Festivalbesuchern und vielen originalgetreuen Details von Campingplatz bis Dixi-Klo kontrastiert mit den unrealistisch-lustigen Aufschriften auf den Plakaten und Bannern der Fans: „Ich hab’ ein Kind von Dir!“ steht da geschrieben. Oder: „DJ Bobo, Du bist toll! Falls Du mich doch nicht haben willst, nehm ich Roland Kaiser.“

Die Qual der Auswahl: Italien ohne den Schiefen Turm von Pisa

Von der Schweiz nach Italien: Italien ist 190 Quadratmeter groß und soll der bisher aufwendigste Wunderland-Abschnitt werden. „Zur Vorbereitung waren wir mit einer Delegation von 35 Mitarbeitern im Land, haben uns die wichtigsten Städte und Regionen angeschaut, Eindrücke gesammelt und Fotos gemacht.“ Resultat: Unter anderen sind Rom, Venedig und die Toskana mit dabei, Pisa und sein Schiefer Turm jedoch nicht. „Bei uns ist es genau so wie bei jedem privaten Modellbauer“, sagt Dauscher, „der Platz reicht nie aus, um alles zu realisieren, was man möchte.“

"In Italien ist ja vieles ein bisschen wilder und rauer als bei uns. Diese Straßen- und Alltagskultur versuchen wir in vielen kleinen Szenen abzubilden."

Einige Landschaften und Kulissen sind bereits fertig. So zum Beispiel die liebevoll gestaltete Amalfi-Küste mit ihren an den Hang gebauten Dörfern. „Bei den Gebäudemodellen bewegen wir uns im Italien-Abschnitt generell in einer neuen Liga – noch ausgefeilter, noch detaillierter.“ Dauscher passiert einen mit Badegästen überfüllten Mittelmeerstrand – und zeigt auf eine Baustelle, zum Teil mit Folien abgedeckt: „Da vorne ist der Vesuv.“ Die charakteristische Form des Vulkans ist bereits fertig modelliert. „Nach langem Hin und Her haben wir vor Kurzem endlich eine technische Lösung gefunden, um die leuchtende Lava per Knopfdruck fließen zu lassen.“ Nun arbeiten Christian und Felix, zwei von Dauschers Mitarbeitern, an einer möglichst originalgetreuen Gestaltung der Gipfeloberfläche. Der Chef gibt ihnen Tipps: „Bei dem Stück oben, was gegipst ist, hängen noch zu viele grobe Steine am Hang. Da könnten die ersten vierzig Zentimeter vielleicht noch etwas glatter sein, so wie auf unserer Fotovorlage. Oben ist feiner Schutt, und das Geröll bleibt erst weiter unten liegen.“ Dauscher schaut auf die Uhr, überlegt. „Ich komme später noch einmal vorbei, dann sprechen wir in Ruhe.“

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Das neueste Projekt: Italien. Das meiste ist noch abgedeckt, aber der Rohbau des Vulkans Vesuv thront bereits über der Anlage.

Chefmodellbauer Dauscher und sein Team spielen mit typischen Italien-Erwartungen. Gleichzeitig haben sie großen Spaß daran, eben diese Erwartungen zu brechen und Überraschendes einzubauen – etwa mit einer Filmstadt, inspiriert vom populären Genre des „Spaghettiwestern“. Lucky Luke ist dort genauso zu sehen wie eine Szene aus Sergio Leones Film „Spiel mir das Lied vom Tod“. Außerdem ein Duell, bei dem aus Versehen die Kameraleute getroffen worden sind und am Boden liegen. Dauschers Kommentar: „Die Schützen hier schießen eben einfach zu schlecht.“ Typischer Wunderland-Humor. Wer sucht, der findet überall in der Anlage solche skurrilen und humorvollen Szenen am Rande – vom nackten Liebespaar, das ein Bett im Sonnenblumenfeld gefunden hat und Gefahr läuft, mitten im Akt von einem Mähdrescher überfahren zu werden, bis hin zu den beiden Männern, die sich endlich ihren Kleine-Jungs-Traum erfüllen, von einer Brücke in eine tiefe Schlucht zu pinkeln. Der Chefmodellbauer und sein Team sind eben nicht nur Handwerker und Landschaftsarchitekten, sondern auch Geschichtenerzähler.

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Ein heimlicher Blick verrät: Auch in Italien wird es wieder viele liebevoll gestaltete Szenerien zu entdecken geben. Suchen lohnt sich!

Ein Wunderland, das niemals fertig ist

Längst ist das Miniatur-Wunderland die größte Modelleisenbahnanlage der Welt. Inzwischen kommen mehr als 1,2 Millionen Besucher im Jahr. Seit 2015 steht das Modellbau-Mekka auch offiziell im Guinness Buch der Rekorde – und wächst. Im Gespräch ist eine Erweiterung der Ausstellungsfläche durch eine spektakuläre Brücke über das Fleet. Als nächste Länder stehen England, Frankreich und Monaco auf dem Plan. Und dann geht es weiter. Kein Ende in Sicht. Italien wird voraussichtlich im Herbst 2016 eröffnet. Ohne den Schiefen Turm von Pisa – aber mit einer bis dahin perfekt inszenierten Vesuv-Simulation.

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