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Ratgeber
Kabelverschraubungen: Sichere Kabeldurchführungen für professionelle Elektroinstallation
Kabelverschraubungen sind unverzichtbare Komponenten in der Elektroinstallation und gewährleisten sichere, dichte und zuverlässige Kabelanschlüsse in Schaltschränken, Gehäusen und Maschinen. Diese technischen Verschraubungen dienen als Kabeldurchführung durch Gehäusewände und erfüllen mehrere wichtige Funktionen: Sie bieten Zugentlastung für das Kabel, schützen vor Feuchtigkeit und Staub und sorgen für mechanische Stabilität. In industriellen Verlegesystemen sind sie ebenso Standard wie in der Gebäudetechnik.
Die Auswahl der passenden Kabelverschraubung hängt von verschiedenen Faktoren ab: Gewinde-Typ, Kabeldurchmesser, Material und Einsatzumgebung. Während eine Kabelverschraubung M20 für mittlere Kabeldurchmesser ausgelegt ist, eignet sich eine Kabelverschraubung M25 für dickere Kabel. Eine Kabelverschraubung M16 deckt kleinere Dimensionen ab. Das Material spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Eine Edelstahl-Kabelverschraubung bietet höchste Korrosionsbeständigkeit für Außenbereiche, während eine Kabelverschraubung aus Kunststoff kostengünstig und chemikalienbeständig ist. Teilbare Kabelverschraubungen ermöglichen nachträgliche Installation ohne Demontage von Steckern.
Hochwertige Kabelverschraubungen bestehen aus präzise gefertigten Komponenten: Gehäuse mit Gewinde, Dichteinsatz, Klemmkegel und Gegenmutter. Zusätzliche Sicherungsmuttern verhindern ungewolltes Lösen durch Vibrationen.
Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, worauf es bei Kabelverschraubungen ankommt – von der Funktionsweise über die richtige Auswahl bis zur fachgerechten Montage.
Wichtig: Kabelverschraubungen müssen den geltenden Normen entsprechen. In Europa sind DIN EN 62444 (metrische Gewinde) und DIN 40430 (PG-Gewinde) relevant. Achten Sie beim Kaufen auf entsprechende Zertifizierungen für sichere Installation.
Was ist eine Kabelverschraubung?
Eine Kabelverschraubung ist ein technisches Verbindungselement, das Kabel sicher durch Gehäusewände, Schaltschränke oder Maschinengehäuse führt. Sie besteht aus mehreren Komponenten, die das Kabel mechanisch fixieren, gegen Herausziehen sichern und gleichzeitig abdichten. Im Gegensatz zu einfachen Kabeldurchführungen bieten Kabelverschraubungen umfassende Sicherheit für Kabel und elektrische Komponenten.
Das charakteristische Merkmal ist das Außengewinde, mit dem die Verschraubung in die Gehäusewand eingeschraubt wird. Gängige Gewindearten sind metrische Gewinde (M12, M16, M20, M25, M32) und PG-Gewinde (PG7, PG9, PG11, PG13,5). Die Bezeichnung gibt den Gewindedurchmesser an: Eine Kabelverschraubung M20 hat ein metrisches 20-mm-Gewinde.
Kabelverschraubungen finden sich überall dort, wo Kabel geschützt durch Wände geführt werden müssen: in Industrieanlagen, Schaltschränken, Steuerungen, Außenleuchten, Pumpen und Maschinen. Sie sind Standardelemente in Verlegesystemen und gehören zur Grundausstattung jeder professionellen Elektroinstallation.
Praxistipp: Messen Sie vor dem Kaufen den Kabeldurchmesser inklusive Mantel genau. Die Kabelverschraubung muss zum tatsächlichen Außendurchmesser passen, nicht zur Aderanzahl. Ein 5×1,5 mm²-Kabel hat beispielsweise etwa 10–12 mm Außendurchmesser.
Wie funktioniert eine Kabelverschraubung?
Kabelverschraubungen arbeiten nach einem mehrstufigen Klemmungs- und Dichtungsprinzip. Das Kabel wird durch mehrere Komponenten geführt, die beim Festziehen das Kabel fixieren und abdichten.
Der Aufbau besteht aus folgenden Elementen: Das Gehäuse mit Außengewinde wird in die Gehäusewand eingeschraubt. Die Gegenmutter fixiert das Gehäuse von innen und verhindert Lockerung. Der Dichteinsatz aus Gummi oder Silikon dichtet zwischen Kabel und Gehäuse ab. Der Klemmkegel fixiert das Kabel mechanisch. Die Überwurfmutter presst beim Anziehen alle Komponenten zusammen.
Beim Montieren wird das Kabel durch alle Komponenten geführt. Durch Anziehen der Überwurfmutter wird der Dichteinsatz gegen das Kabel gepresst und dichtet den Spalt ab. Gleichzeitig klemmt der Konus das Kabel fest und bietet Zugentlastung. Je nach Konstruktion erreichen Kabelverschraubungen Schutzklassen von IP54 bis IP68, die vor Staub und Wasser schützen.
Teilbare Kabelverschraubungen besitzen ein geteiltes Gehäuse, das sich öffnen lässt. Dies ermöglicht nachträgliche Montage an bereits konfektionierten Kabeln mit Steckern. Sicherungsmuttern verhindern durch Vibrationen verursachtes Lösen in Maschinen und Fahrzeugen.
Welche Aufgaben erfüllt eine Kabelverschraubung in der Elektroinstallation?
Kabelverschraubungen übernehmen mehrere wichtige Funktionen, die für eine sichere und normgerechte Elektroinstallation unverzichtbar sind.
- Zugentlastung: Die mechanische Fixierung des Kabels verhindert, dass Zugkräfte auf die elektrischen Anschlüsse wirken. Ohne Zugentlastung können Adern aus Klemmen gezogen werden oder Lötverbindungen brechen. Die Verschraubung nimmt alle mechanischen Belastungen auf und schützt die empfindlichen Kabelanschlüsse.
- Abdichtung gegen Feuchtigkeit und Staub: Der Dichteinsatz versiegelt den Durchgang und verhindert das Eindringen von Wasser, Staub, Öl oder anderen Medien. Je nach Schutzart (IP-Klasse) sind Kabelverschraubungen für verschiedene Umgebungen geeignet. IP68-zertifizierte Modelle halten dauerhaftem Untertauchen stand, während IP54 vor Spritzwasser schützt.
- Mechanische Stabilität: Die feste Verbindung zwischen Kabel und Gehäuse verhindert Bewegung und Scheuern des Kabels an scharfen Kanten. Dies ist besonders in Maschinen mit Vibrationen wichtig.
- EMV-Schutz: Metall-Kabelverschraubungen aus Messing oder Edelstahl bieten elektromagnetische Abschirmung, wenn sie mit geschirmten Kabeln kombiniert werden. Die durchgehende metallische Verbindung zwischen Kabelschirm und Gehäuse leitet Störungen ab.
- Einhaltung von Normen: Zertifizierte Kabelverschraubungen erfüllen Anforderungen von VDE, IEC und anderen Normen. Sie sind Voraussetzung für die Abnahme von Anlagen.
Wie wähle ich die richtige Kabelverschraubung für meine Anwendung aus?
Die Auswahl der passenden Kabelverschraubung erfordert die Berücksichtigung mehrerer Parameter.
| Auswahlkriterium | Möglichkeiten | Entscheidungshilfe | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Gewinde-Typ | Metrisch (M), PG, NPT | Metrisch modern, PG klassisch | M20, M25, M16, PG13,5 |
| Kabeldurchmesser | 3-50 mm | Außendurchmesser mit Mantel messen | 10–14 mm → M20 |
| Material | Kunststoff, Messing, Edelstahl | Nach Umgebung wählen | Außen → Edelstahl |
| Schutzart | IP54, IP65, IP67, IP68 | Nach Feuchtigkeitsbelastung | Spritzwasser → IP65 |
Das Gewinde muss zur vorhandenen Bohrung im Gehäuse passen. Metrische Gewinde sind in modernen Anlagen Standard, während PG-Gewinde in Altanlagen vorkommen. Eine Kabelverschraubung M20 passt in eine M20-Bohrung, eine Kabelverschraubung M25 benötigt entsprechend eine größere Öffnung. Bei Platzmangel hilft eine Winkelverschraubung.
Der Kabeldurchmesser ist entscheidend: Der Dichteinsatz muss den Kabelaußendurchmesser passgenau umschließen. Hersteller geben Klemmbereiche an, beispielsweise 10-14 mm für eine Kabelverschraubung M20. Messen Sie das Kabel mit einem Messschieber.
Die Materialwahl richtet sich nach der Einsatzumgebung: Eine Kabelverschraubung aus Kunststoff eignet sich für trockene Innenräume und chemisch aggressive Umgebungen. Eine Edelstahl-Kabelverschraubung bietet maximale Korrosionsbeständigkeit für Außenbereiche, Feuchtigkeit und salzhaltige Atmosphäre.
Spezielle Anforderungen erfordern angepasste Lösungen: teilbare Kabelverschraubungen für nachträgliche Montage, EMV-Verschraubungen für geschirmte Kabel, Ex-geschützte Modelle für explosionsgefährdete Bereiche. Würgenippel dienen als Adapterstücke zwischen verschiedenen Gewindegrößen.
Achtung: Verwenden Sie nur Kabelverschraubungen mit entsprechender Zulassung für Ihre Anwendung. Im Ex-Bereich sind ATEX- oder IECEx-zertifizierte Modelle vorgeschrieben. Falsche Auswahl gefährdet Anlagensicherheit.
Welche Unterschiede gibt es zwischen Kunststoff- und Metall-Kabelverschraubungen?
Kabelverschraubungen aus Kunststoff und Metall haben unterschiedliche Eigenschaften für verschiedene Einsatzbereiche.
| Merkmal | Kabelverschraubung aus Kunststoff | Edelstahl-Kabelverschraubung | Eignung |
|---|---|---|---|
| Korrosionsbeständigkeit | Sehr hoch, chemikalienresistent | Sehr hoch, salzwasserbeständig | Kunststoff: Chemie, Metall: Außen |
| Mechanische Belastbarkeit | Mittel, schlagempfindlich | Sehr hoch, robust | Metall für hohe Belastung |
| EMV-Abschirmung | Keine | Vollständig bei Metallgehäuse | Metall für EMV-Schutz |
| Preis | Günstig | Mittel bis hoch | Kunststoff wirtschaftlich |
Eine Kabelverschraubung aus Kunststoff besteht aus Polyamid (PA), Polypropylen (PP) oder verstärktem Kunststoff. Sie bietet exzellente Beständigkeit gegen Säuren, Laugen, Öle und viele Chemikalien. Das Material isoliert elektrisch und verhindert Kriechströme. Kunststoff-Verschraubungen sind leicht, kostengünstig und einfach zu montieren. Sie eignen sich ideal für Innenanwendungen und die chemische Industrie.
Nachteile von Kunststoff sind begrenzte Temperaturbeständigkeit (meist –40 °C bis +100°C), geringere mechanische Festigkeit und fehlende EMV-Abschirmung. Für Außenanwendungen sollten UV-stabilisierte Varianten gewählt werden.
Eine Edelstahl-Kabelverschraubung aus V2A (1.4301) oder V4A (1.4401/1.4404) bietet maximale Korrosionsbeständigkeit. V4A widersteht selbst Meerwasser und Chloriden. Metall-Verschraubungen halten extremen Temperaturen stand (-60°C bis +200°C) und sind mechanisch äußerst robust. Sie bieten EMV-Abschirmung durch durchgehenden metallischen Kontakt. Auch Jakob-Kabelverschraubungen aus Messing sind im industriellen Bereich verbreitet.
Nachteile von Metall sind höhere Kosten, elektrische Leitfähigkeit und höheres Gewicht. In chemisch aggressiven Umgebungen können selbst Edelstahl-Verschraubungen angegriffen werden, während Kunststoff resistent bleibt.
Wie montiert man eine Kabelverschraubung korrekt?
Die fachgerechte Montage gewährleistet Dichtigkeit, Zugentlastung und Langlebigkeit.
- Bohrung vorbereiten: Entgraten Sie die Gehäusebohrung und entfernen Sie Späne. Die Bohrung muss zum Gewinde passen – für eine Kabelverschraubung M20 benötigen Sie eine M20-Bohrung.
- Komponenten sortieren: Fädeln Sie alle Teile in richtiger Reihenfolge auf das Kabel: Überwurfmutter, Dichteinsatz, dann Klemmkegel.
- Kabelmantel abisolieren: Entfernen Sie den Außenmantel nur so weit wie nötig. Der Mantel muss bis in die Verschraubung reichen, damit die Klemmung auf dem stabilen Mantel greift.
- Gehäuse einschrauben: Schrauben Sie das Gehäuse von außen durch die Bohrung. Setzen Sie von innen die Gegenmutter auf und ziehen Sie beide Teile fest gegeneinander. Verwenden Sie bei Bedarf Sicherungsmuttern.
- Kabel durchführen: Führen Sie das Kabel durch das montierte Gehäuse. Achten Sie darauf, dass der Dichteinsatz korrekt auf dem Kabelmantel sitzt.
- Überwurfmutter anziehen: Schrauben Sie die Überwurfmutter auf das Gehäuse. Ziehen Sie handfest an, bis deutlicher Widerstand spürbar ist. Vermeiden Sie Überdrehen.
- Dichtigkeit prüfen: Ziehen Sie leicht am Kabel – es sollte nicht nachgeben. Bei kritischen Anwendungen können Sie die Dichtigkeit mit Druckluft testen.
Praxistipp: Markieren Sie die Drehstellung der Überwurfmutter beim ersten Anziehen. Nach Betriebszeit können Sie kontrollieren, ob sich die Verschraubung gelockert hat.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Kabelverschraubungen
Welche Fehler treten häufig bei der Montage von Kabelverschraubungen auf?
Häufige Montagefehler sind falscher Kabeldurchmesser (zu groß oder zu klein für den Dichteinsatz), fehlende Gegenmutter (Verschraubung kann sich lösen), Überdrehen der Überwurfmutter (beschädigt Dichteinsatz), und Klemmen auf blanken Adern statt auf Kabelmantel (keine sichere Zugentlastung). Achten Sie darauf, dass der Kabelmantel weit genug in die Verschraubung ragt und die Dichtung sauber auf dem Mantel sitzt, ohne Falten.
Kann ich eine Kabelverschraubung nachträglich austauschen?
Ja, Kabelverschraubungen können ausgetauscht werden. Schalten Sie die Anlage spannungsfrei. Lösen Sie die Überwurfmutter und ziehen Sie das Kabel zurück. Entfernen Sie Gegenmutter und Gehäuse. Bei konfektionierten Kabeln mit Steckern verwenden Sie teilbare Kabelverschraubungen – diese lassen sich öffnen und um das Kabel legen. Der Austausch ist sinnvoll bei beschädigten Dichtungen oder falsch dimensionierten Verschraubungen. Prüfen Sie nach dem Austausch die Dichtigkeit.
Was bedeuten die Bezeichnungen M16, M20 und M25 bei Kabelverschraubungen?
Die Bezeichnungen M16, M20 und M25 geben das metrische Außengewinde in Millimetern an. Eine Kabelverschraubung M16 hat ein 16-mm-Gewinde, eine Kabelverschraubung M20 ein 20-mm-Gewinde und eine Kabelverschraubung M25 ein 25-mm-Gewinde. Diese Werte entsprechen dem Gewindedurchmesser, nicht dem Kabeldurchmesser. Jede Gewindegröße ist für bestimmte Kabelquerschnitte ausgelegt: M16 typisch für 4-8 mm Kabeldurchmesser, M20 für 10-14 mm und M25 für 13-18 mm. Das metrische System hat das ältere PG-System weitgehend abgelöst.
Wann sollte man eine teilbare Kabelverschraubung verwenden?
Teilbare Kabelverschraubungen sind ideal, wenn Kabel bereits mit Steckern, Sensoren oder anderen Komponenten konfektioniert sind, die nicht durch die Verschraubung passen. Statt den Stecker zu demontieren, öffnen Sie die teilbare Verschraubung und legen sie um das Kabel. Typische Einsätze sind Nachrüstungen in bestehenden Anlagen, Reparaturen und die Installation von Sensorkabeln mit integrierten Steckern. Teilbare Verschraubungen kosten etwas mehr, sparen aber erheblich Zeit und vermeiden Fehler beim Neukonfektionieren.