Ratgeber
Verlängerungskabel versorgen elektrische Geräte mit Strom, wenn keine Steckdose in unmittelbarer Nähe zur Verfügung steht.
Sie eröffnen viel Flexibilität und werden daher in zahlreichen Bereichen genutzt, sei es auf Baustellen, in Werkstätten und Lagern oder auch im Veranstaltungssektor.
Die Anforderungen an Verlängerungskabel unterscheiden sich je nach Einsatzzweck.
Während Leitungen mit geringerem Schutzniveau für Anwendungen im Innenbereich meist ausreichen, müssen Kabel für den Außenbereich besonders robust und wetterfest sein.
Zudem spielen Parameter wie die Strombelastbarkeit und Leitungslänge eine Rolle bei der Auswahl.
In unserem Ratgeber erfahren Sie, was für Arten von Verlängerungskabeln es gibt, wofür sie sich eignen und worauf es beim Kauf zu achten gilt.
Verlängerungskabel sind stromführende Leitungen, die dazu dienen, elektrische Geräte in größerer Entfernung zur Steckdose mit Energie zu versorgen. Im professionellen Umfeld werden sie vor allem dann eingesetzt, wenn ein Stromzugang nicht unmittelbar am Arbeitsplatz verfügbar ist.
Dadurch ist es möglich, Betriebsmittel auch an wechselnden oder schwer zugänglichen Standorten zu nutzen. Verlängerungskabel finden häufig auf Baustellen, im Lager- und Logistikbereich, in Werkstätten und Produktionsumgebungen sowie im Veranstaltungsbereich Verwendung.
Sie werden aber beispielsweise auch im Einzelhandel, in Büros oder öffentlichen Einrichtungen genutzt, um zumindest übergangsweise eine Stromversorgung über größere Distanzen zu ermöglichen.
Ein Verlängerungskabel leitet elektrische Energie von einer festen Stromquelle – beispielsweise einer Wandsteckdose oder einem Baustellenverteiler – zu einem weiter entfernten Verbraucher. Dazu ist das Kabel an einem Ende mit einem Stecker ausgestattet, der in die Netzsteckdose eingeführt wird. Am anderen Ende befindet sich eine Kupplung oder eine Mehrfachsteckdose, an die ein oder mehrere zu versorgende Geräte angeschlossen werden.
Der übrige Aufbau entspricht dem eines normalen Stromkabels: Im Inneren verlaufen elektrische Leiter, die in einer isolierenden Hülle eingebettet sind. Anzahl und Querschnitt der Leiter bestimmen, wie viel Strom sicher übertragen werden kann. Je nach Anwendungsbereich kommen unterschiedliche Kabeltypen zum Einsatz – etwa massive Gummischlauchleitungen für den Außen- oder leichte PVC-Leitungen für den Innenbereich.
Verlängerungskabel unterscheiden sich im Hinblick darauf, welche Art von Steckverbindung sie nutzen. Dementsprechend lassen sich mehrere Varianten differenzieren.
Verlängerungen mit Schutzkontakt (Schuko)
Klassische Stromverlängerungskabel sind mit Schutzkontakt-Steckern und Schutzkontakt-Steckdosen ausgestattet und eignen sich für den Anschluss an die haushaltsübliche Netzspannung von 230V.
Sie kommen zum Einsatz, wenn Standardverbraucher wie Bürogeräte, Elektrowerkzeuge, Ventilatoren oder Staubsauger betrieben werden sollen und sind insbesondere für die Verwendung im Innenbereich ausgelegt.
Für den Außeneinsatz oder Baustellenbetrieb sind Schuko-Kabel erforderlich, die ausreichend mechanisch belastbar sind und eine erhöhte Schutzart (ab IP44) aufweisen.
Grundsätzlich sind Schuko-Verlängerungen vielseitig verwendbar, bei der Stromstärke gibt es jedoch Grenzen.
Sie können mit einer Belastung von bis zu 16A umgehen, allerdings nicht dauerhaft.
Verlängerungen mit Euro-Steckverbindern
Verlängerungskabel mit Euro-Steckern (Typ C) sind für die Stromversorgung von Kleingeräten der Schutzklasse II (Radios, Ladegeräte, Leuchten etc.) ausgelegt. Diese verfügen über ein schutzisoliertes Gehäuse und benötigen daher keinen Schutzleiter.
Aus diesem Grund sind an den Anschlussleitungen lediglich zweipolige Euro-Stecker montiert.
Zu beachten ist, dass ein Euro-Stecker mit maximal 2,5A belastet werden darf.
Das entspricht einer Anschlussleistung von etwa 600W.
Im professionellen Umfeld spielen Euro-Verlängerungskabel eine eher untergeordnete Rolle, da sie nicht für Außeneinsätze sowie für Anwendungen mit höheren Strömen und mechanischer Belastung geeignet sind.
Verlängerungen mit Kleingeräte-Steckverbindern
Kleingeräte-Stecker vom Typ C7 und C8 haben ähnliche Spezifikationen wie Euro-Stecker:Sie sind zweipolig, ungeerdet und auf eine maximale Leistung von 2,5A bei 230V ausgelegt.
Dementsprechend sind sie ebenso nur für Geräte der Schutzklasse II zugelassen. Allerdings unterscheiden sich C7- und C8-Stecker in der Bauform von Euro-Steckern.
Anstelle von zwei runden Stiften verfügen sie über zwei parallele, flache Kontaktflächen. Verlängerungen mit Kleingeräte-Steckerverbindern dienen eher als Gerätezuleitungs- oder Adapterkabel und sind durchschnittlich nur 1,5 bis 3m lang.
Sie werden im gewerblichen Umfeld nur in speziellen Anwendungsfällen genutzt, etwa in Prüfumgebungen oder in der Medientechnik. Für eine allgemeine Stromversorgung und den Einsatz unter anspruchsvollen Bedingungen sind sie ungeeignet.
Verlängerungen mit roten CEE-Steckverbindern
Für die Stromversorgung leistungsstärkerer Maschinen bzw. für Drehstromanwendungen sind Verlängerungen mit roten CEE-Steckern die richtige Wahl. Sie nutzen alle drei Phasen statt nur einer Phase, wie es bei 230V Wechselspannung der Fall ist.
Aus diesem Grund haben CEE-Stecker fünf Anschlusskontakte: drei für die Außenleiter (L1, L2, L3), einen für den Neutralleiter (N) und einen für den Schutzleiter (PE).
Rote CEE-Stecker sind für eine Nennspannung von 400V ausgelegt und können mit Stromstärken von 16A, 32A oder 64A umgehen.
Im industriellen, gewerblichen und landwirtschaftlichen Bereich werden sie vielseitig eingesetzt, beispielsweise für den Anschluss von Elektromotoren oder Großgeräten.
Auch in der Veranstaltungstechnik finden sie Verwendung.
Verlängerungskabel mit blauen CEE-Steckverbindern
Blaue CEE-Steckverbinder, auch Caravan- oder Campingstecker genannt, sind nicht für dreiphasigen Drehwechselstrom, sondern für einphasigen Wechselstrom mit 230V ausgelegt.
Aus diesem Grund sind sie im Gegensatz zu den roten 400-Volt-Drehstromsteckern auch nur dreipolig (L, N, PE) aufgebaut.
Die maximale Stromstärke beträgt zwar wie bei Schuko-Steckern bei 16A, allerdings können blaue CEE-Stecker dieser Belastung dauerhaft standhalten.
Aus diesem Grund sind sie eine zuverlässige Lösung für den anspruchsvollen 230V-Betrieb. Verlängerungskabel mit blauen CEE-Steckverbindern kommen hauptsächlich zur Stromversorgung von Wohnwagen und Campern zum Einsatz, werden aber beispielsweise auch für den Anschluss von Heizlüftern oder Lichtanlagen genutzt.
Im Regelfall handelt es sich bei Verlängerungskabeln um harmonisierte Leitungen, die mit einem Typenkennzeichen versehen sind. Grundlage hierfür ist die europaweit geltende Norm DIN VDE 0281/0282. Das Typenkennzeichen gibt Aufschluss über alle relevanten technischen Eigenschaften, so dass es leichter fällt, ein Kabel passend zur jeweiligen Anwendung zu finden. Codiert sind unter anderem die zulässige Nennspannung, der zugrundeliegende Isolier- und Mantelwerkstoff und die Art der Leiter.
Im Folgenden zwei Beispiele harmonisierter Schlauchleitungen, die zu Verlängerungszwecken eingesetzt werden.
1) H05VV-F: Leitungen vom Typ H05VV-F sind für den Einsatz im Innenbereich bei mittlerer mechanischer Beanspruchung ausgelegt und werden üblicherweise für den Anschluss von Büro- und Haushaltsgeräten verwendet. Die Typenkennzeichnung codiert folgende Eigenschaften:
- H = Harmonisierter Typ
- 05 = Nennspannung 300/500V
- V = Isolierwerkstoff PVC
- V = Mantelwerkstoff PVC
- F = feindrähtiger (flexibler) Leiter
2) H07RN-F: Leitungen vom Typ H07RN-F sind für eine höhere Nennspannung ausgelegt und bestehen aus robustem Gummi. Sie eignen sich insbesondere für den Einsatz auf Baustellen und in Industrieumgebungen. Die Typenkennzeichnung liefert folgende Spezifikationen:
- H = Harmonisierter Typ
- 07 = Nennspannung 450/750V
- R = Isolierwerkstoff Ethylenpropylen-Gummi
- N = Mantelwerkstoff Polychloropren-Gummi
- F = feindrähtiger (flexibler) Leiter
Neben den Typen H05VV-F und H07RN-F gibt es eine ganze Reihe weiterer harmonisierter Schlauchleitungen, die als Verlängerungen angeboten werden und sich jeweils für unterschiedliche Einsatzgebiete eignen.
Hier ein Überblick der wichtigsten Typenkurzzeichen nach DIN VDE 0281/0282 im Zusammenhang mit Verlängerungskabeln:
Kategorie | Kennzeichen | Bedeutung |
Bestimmung | H | Harmonisierter Typ |
Nennspannung | 03 | 300/300V |
05 | 300/500V | |
07 | 450/750V | |
Isolierwerkstoff | R | Ehtylenpropylen-Gummi, für Dauerbetriebstemperatur von +60 °C |
B | Ehtylenpropylen-Gummi, für Dauerbetriebstemperatur von +90 °C | |
V | PVC, + 70 °C | |
V2 | PVC, wärmebeständig, + 90 °C | |
V3 | PVC, kältebeständig, -25 °C | |
N | Polychloropren-Gummi | |
Mantelwerkstoff | Wie Isolierwerkstoff, zusätzlich: | |
N4 | Chloropren-Kautschuk, wärmebeständig | |
Q | Polyurethan | |
Leiterart | F | feindrähtig (flexibel) |
Oft werden zusätzlich die Aderanzahl und der Leitungsquerschnitt angegeben. Diese werden der Typenkennzeichnung nachgestellt. Ein Beispiel dafür ist H07RN-F 5G1,5. Hierbei handelt es sich um eine flexible Gummischlauchleitung mit 5 Adern à 1,5mm².
Verlängerungskabel ermöglichen es, elektrische Geräte zu betreiben, auch wenn keine Steckdose in unmittelbarer Nähe zur Verfügung steht. Sie schaffen flexible Anschlussmöglichkeiten und sind daher ein unverzichtbares Hilfsmittel in zahlreichen gewerblichen und industriellen Bereichen.
Einsatzbereich | Typische Nutzung |
Baustellen | Stromversorgung von Maschinen, Werkzeugen und Beleuchtung an wechselnden Standorten |
Werkstätten & Produktion | Temporäre Stromzufuhr für mobile Geräte, Prüfstationen und Arbeitsplätze |
Veranstaltungstechnik | Stromverteilung für Licht-, Ton- und Bühnentechnik |
Lager & Logistik | Versorgung von Beleuchtung oder Arbeitsstationen bei Umrüstungen oder Wartungsarbeiten |
Landwirtschaft | Stromversorgung in Ställen, Hallen oder auf Freiflächen |
Verlängerungskabel unterscheiden sich in ihrem Aufbau und damit verbunden in ihren Einsatzmöglichkeiten. Die Auswahl eines passenden Kabeltyps ist für eine sichere Anwendung das A und O. Folgende Aspekte spielen in dem Zusammenhang eine Rolle:
Innen- oder Außeneinsatz
Verlängerungskabel für den Innenbereich sind in der Regel weniger robust aufgebaut und nicht zwingend staub- und spritzwassergeschützt. Deshalb dürfen sie auch nicht im Außenbereich eingesetzt werden. Stromkabel für den Außenbereich sind robuster ausgelegt und mindestens mit der Schutzart IP44 ausgewiesen. Sie können bei Bedarf auch im Innenbereich genutzt werden.
Passende Steckverbinder
Die Steckverbinder müssen zur Anwendung passen. Für den Anschluss an eine haushaltsübliche Steckdose sollte die Verlängerungsleitung über einen Schutzkontakt-Stecker verfügen. Bei Drehstromanwendungen sind rote CEE-Stecker die richtige Wahl. Hier muss auf eine geeignete Stromstärke geachtet werden. Für die Stromversorgung von Elektrokleingeräten eignen sich Euro-Stecker. Im Camping- und Caravan-Bereich werden blaue CEE-Cara Stecker verwendet.
Leitungsquerschnitt
Der Leitungsquerschnitt steht im Zusammenhang mit der Strombelastbarkeit. Wenn am Verlängerungskabel leistungsstarke Verbraucher wie Heizgeräte oder große Elektromotoren betrieben werden sollen, ist auf einen ausreichend großen Leiterquerschnitt zu achten.
Kabellänge
Die Kabellänge sollte möglichst genau der Distanz entsprechen, die überbrückt werden muss. Ist ein Verlängerungskabel zu lang, kann es nicht nur zu Spannungsverlusten kommen, sondern auch das Verlegen ist mit größerem Aufwand verbunden. Zudem darf das Gewicht nicht unterschätzt werden, vor allem, wenn es sich um massive Gummischlauchleitungen handelt.
Technische Extras
Je nach Anwendung können zusätzliche Sicherheitseinrichtungen am Verlängerungskabel hilfreich oder notwendig sein. Bei der Arbeit auf Baustellen beispielsweise ist ein integrierter Personenschutzschalter (PRCD) wichtig, um das Risiko von Stromunfällen zu verringern. Für Drehstromanwendungen kann eine Verlängerung mit integriertem Phasenwender sinnvoll sein, der sicherstellt, dass Maschinen wie Kreissägen in der vorgesehenen Drehrichtung laufen.
Aus Sicherheitsgründen sollten Verlängerungskabel niemals hintereinandergeschaltet werden. Das hätte zur Folge, das sich der Übergangswiderstand erhöht, was in einer Überhitzung resultieren und letztlich zum Brand führen kann. Zudem besteht das Risiko, dass Sicherungen und Fehlerstromschutzschalter nicht mehr richtig funktionieren.
Wie lang dürfen CEE- bzw. Schuko-Verlängerungen maximal sein?
Sowohl für CEE- als auch für Schuko-Verlängerungen gilt: Je länger das Kabel, desto größer muss der Leiterquerschnitt sein, um Spannungsverluste zu vermeiden. Verlängerungen mit Schutzkontakt-Steckverbindern (Schuko) sind meist zwischen 10 und 20 Meter lang, bei CEE-Verlängerungen sind auch 25 Meter üblich.
Reicht ein Verlängerungskabel IP44 für den Außeneinsatz?
IP44 ist die Mindestvoraussetzung für den Einsatz im Außenbereich. Kabel, die diese Schutzart aufweisen, sind gegen Fremdkörper ab einer Größe von einem Millimeter sowie gegen Spritzwasser geschützt. Bei rauen Umgebungsbedingungen kann jedoch eine höhere Schutzart geboten sein.
Warum bestehen so viele Verlängerungskabel aus Gummi?
Leitungen aus Gummi sind abriebfest, ölbeständig und wetterfest. Sie eignen sich daher besonders gut für anspruchsvolle Anwendungen, bspw. auf Baustellen oder in Werkstätten.