Ratgeber
Beim Gang über die Baustelle, bei Arbeiten in der Werkstatt oder beim Alltag in der Gastronomie – in verschiedenen Berufen sind Arbeitsschuhe von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit. Sie dienen der Unfallverhütung und sollen zugleich Komfort für lange Arbeitstage bieten.
Bei der Auswahl spielen verschiedene Faktoren wie Sicherheitsklasse, Material und Verarbeitung eine zentrale Rolle. Das wirft viele Fragen auf, etwa: Was sind S3 Sicherheitsschuhe? Was bedeutet rutschfest genau? Auf diese und weitere Fragen gehen wir ein.
Dieser Ratgeber gibt einen Überblick über die verschiedenen Arten von Arbeits- und Sicherheitsschuhen, ihre Funktionen und worauf beim Kauf geachtet werden muss, um Sicherheit und Produktivität am Arbeitsplatz zu fördern.
Es handelt sich um Schuhe, die in der Arbeitswelt vor Gefahren schützen sollen. Sie sind in vielen Branchen unerlässlich und müssen je nach Arbeitsumgebung unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden. Daher sind Arbeitgeber auch gesetzlich verpflichtet, ihren Mitarbeitern geeignete Arbeitsschuhe zur Verfügung zu stellen, wenn die Gefährdungsbeurteilung dies erfordert.
Sie sind wichtig, um Verletzungen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Sie schützen die Füße vor mechanischen, chemischen und thermischen Einwirkungen. Dazu zählen unter anderem Stöße, spitze oder scharfe Materialien sowie Minusgrade. Hinzu kommen Eigenschaften wie ölbeständig oder rutschfest, um die Schutzwirkung zu erhöhen.
Neben dem Schutz vor Verletzungen tragen Arbeitsschuhe auch zum allgemeinen Wohlbefinden der Arbeitnehmer bei. Ergonomische Einlagen und ein hoher Tragekomfort fördern die Gesundheit des Bewegungsapparates und beugen Ermüdungserscheinungen vor.
Dies trägt langfristig zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter bei. Eine Investition in hochwertige Sicherheitsschuhe lohnt sich also nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für das Unternehmen, da sie langfristig Kosten durch Ausfallzeiten und Behandlungskosten sparen.
Beide Begriffe werden oft synonym verwendet, was jedoch eine sprachliche Ungenauigkeit ist. "Arbeitsschuh" versteht sich als Oberbegriff und Sicherheitsschuhe sind eine von drei Untergruppen.
Unterschieden werden im Sinne des Arbeitsschutzes folgende Gruppen:
einfache Berufsschuhe ohne Zehenschutzkappe (Kürzel O)
Schutzschuhe mit Zehenschutz bis 100 Joule (Kürzel P)
Sicherheitsschuhe mit Zehenschutz bis 200 Joule (Kürzel S)
Regelt ist diese Abgrenzung über die DIN-Normen EN ISO 20347 und EN ISO 20345 sowie EN ISO 20346.
Die Norm EN ISO 20347 charakterisiert die Berufsschuhe, die typisch für verschiedene Branchen mit geringem Verletzungsrisiko sind. Dies können beispielsweise weiße Schuhe für Empfangspersonal in einer Arztpraxis sein. Wird EN ISO 20345 erfüllt, liegt eine sogenannte Aufprallbeständigkeit von 200 Joule vor. Die Sicherheitsschuhe mit Kunststoff- oder Stahlkappe halten demnach Druck bis 200 Joule stand. Darüber hinaus werden verschiedene Sicherheitsklassen definiert. Die Norm EN ISO 20346 bietet zwar ebenfalls eine Zehenkappe, doch die Aufprallbeständigkeit muss nur bis 100 Joule gegeben sein.
Sicherheitsstiefel
Sie bringen dieselben Schutzfunktionen wie Sicherheitsschuhe mit, umschließen jedoch zusätzlich mindestens den Knöchelbereich. Mit einem höheren Schaft kann auch der gesamte Unterschenkel geschützt sein. Sie sind besonders in Branchen wie Bau und Landwirtschaft beliebt, in denen zusätzlicher Schutz vor Umknicken oder dem Eindringen von Flüssigkeiten notwendig ist. Dadurch wird das Risiko von Verletzungen deutlich reduziert.
Sicherheitssandalen
Sie gehören in die Gruppe der Sicherheitsschuhe, allerdings ist ihre Bauweise offener gehalten, um eine bessere Belüftung der Füße zu erlauben. Dank Kunststoff- oder Stahlkappe für die Zehen und geschlossenem Fersenbereich mit mindestens 20 Joule Energieaufnahmevermögen erfüllen sie die Anforderungen an die Schutzklasse 1. Dadurch bieten sie nicht nur Schutz, sondern auch hohen Tragekomfort, insbesondere bei warmen Arbeitsbedingungen.
Schuhe für spezielle Branchen
Verschiedene Branchen stellen spezifische Anforderungen an Sicherheitsschuhe. So benötigen beispielsweise Mitarbeiter in elektrostatisch sensiblen Bereichen ESD-Schuhe, um elektrische Entladungen zu verhindern. In der Metallverarbeitung sind hitzebeständige Schuhe unverzichtbar, während in Laboren und der chemischen Industrie Chemikalienbeständigkeit oberste Priorität hat. Diese maßgeschneiderten Lösungen gewährleisten optimalen Schutz in den jeweiligen Arbeitsumgebungen.
Sicherheitsschuhe
Ihre Zehenschutzkappen aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff gewähren einen Schutz vor herabfallenden oder rollenden Gegenständen bis 200 Joule. Sie erfüllen die Anforderungen der DIN EN ISO 20345 und sind in verschiedenen Sicherheitsklassen erhältlich, die je nach Arbeitsumfeld gewählt werden sollten.
Berufsschuhe
Berufsschuhe kommen in Bereichen zum Einsatz, in denen keine hohen Sicherheitsanforderungen bestehen. Sie verzichten auf eine Zehenschutzkappe, bieten jedoch Komfort und unterstützen die Füße während langer Arbeitszeiten. Damit sind sie perfekt für alle, die viel stehen oder gehen müssen.
Schutzschuhe
Sie bieten einen grundlegenden Zehenschutz bis 100 Joule dank integrierter Kappe. Sie werden in Arbeitsumgebungen eingesetzt, in denen die Gefahrenlage vergleichsweise niedrig ist. Zusätzlich sind sie oft mit rutschfesten Sohlen ausgestattet, um ein Ausrutschen auf glatten Oberflächen zu verhindern.
Sicherheitsklasse und Normen
Klären Sie, welche Normen und Sicherheitsklassen erfüllt sein müssen, damit die Schuhe als Persönliche Schutzausrüstung (PSA) geeignet sind. Neben den bereits genannten Normen EN ISO 20345, EN ISO 20346 und EN ISO 20347 spielen die Sicherheitsklassen S1 bis S7 eine Rolle:
Schutzklasse | Merkmale |
|---|---|
SB |
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S1 |
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S1P |
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S2 |
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S3 |
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S4 |
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S5 |
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S6 |
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S7 |
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Anmerkung 1: Die Sicherheitsklassen S6 und S7 wurden im Juni 2022 im Zuge einer Überarbeitung der DIN EN ISO 20345 ergänzt.
Anmerkung 2: Es gibt metallfreie Sicherheitsschuhe, die dennoch alle Normen einhalten. Der Verzicht auf Metall ist ideal, wenn der Schutz vor Elektrizität wichtig ist oder Kälte- und Wärmeisolierung im Vordergrund stehen.
Anmerkung 3: Sicherheitsschuhe können verschiedene Zusatzeigenschaften besitzen, dazu gehören Elemente wie die Rutschhemmung (SRC). Eine SRC-Laufsohle besitzt ein gutes Profil und mindert so das Fallrisiko auf glatten Böden.
Passform und Komfort
Ein guter Arbeitsschuh muss bequem sitzen und darf nicht drücken oder scheuern, da dies langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Ein ergonomisches Fußbett und eine gute Dämpfung sind ebenso wichtig wie eine gute Passform, um Ermüdung und Schmerzen bei langen Arbeitsschichten zu vermeiden.
Material und Verarbeitung
Das Material der Arbeitsschuhe sollte robust und langlebig sein. Leder ist sehr widerstandsfähig und atmungsaktiv, während synthetische Materialien oft leichter sind und bessere wasserabweisende Eigenschaften aufweisen. Auch die Verarbeitung der Nähte und Sohlen ist ein wichtiger Faktor für die Haltbarkeit des Schuhs.
Zusätzliche Eigenschaften
Viele Arbeitsschuhe verfügen über zusätzliche Eigenschaften, die den Komfort und die Sicherheit weiter verbessern. Dazu gehören atmungsaktive Materialien, die für ein gutes Fußklima sorgen, sowie wasserdichte oder wasserabweisende Obermaterialien. Hitzebeständige Schuhe sind für Arbeiten in heißen Umgebungen unerlässlich, während ESD-Schutz in Bereichen mit empfindlicher Elektronik vorgeschrieben sein kann.
Wie pflegt man Arbeitsschuhe richtig?
Die richtige Pflege verlängert nicht nur die Lebensdauer der Schuhe, sondern sorgt auch dafür, dass sie ihre Schutzfunktion optimal erfüllen.
Im ersten Schritt sollten die Schuhe regelmäßig gereinigt werden. Im Idealfall wird grober Schmutz nach jedem Arbeitstag entfernt. Danach sollte die Schuhe bis zum nächsten Tragen gelüftet werden.
In festen Abständen ist eine Imprägnierung ratsam, damit Feuchtigkeit dauerhaft abgewiesen wird. Hier muss eine zum Obermaterial passende Imprägnierung gewählt werden. Lederschuhe benötigen zudem eine spezielle Pflege, um das Material geschmeidig zu halten und Risse zu vermeiden.
Bei Bedarf können Einlegesohlen ausgetauscht werden, um den Tragekomfort zu erhalten.
Wann müssen Arbeitsschuhe getragen werden?
Sie müssen getragen werden, wenn eine Gefährdungsbeurteilung vorliegt, die Gefahren festgestellt hat. Geregelt ist die Tragepflicht im Arbeitsschutzgesetz § 15. Dies betrifft beispielsweise Baustellen, Werkstätten oder Produktionsstätten, wo die Füße vor herabfallenden Gegenständen, scharfen Kanten oder Chemikalien geschützt werden müssen.
Welche Sicherheitsklasse brauche ich für meinen Beruf?
Die Wahl der richtigen Sicherheitsklasse hängt von der jeweiligen Arbeitsumgebung ab. In Bereichen mit hohen mechanischen Belastungen, Handwerk oder Gefahr durch spitze Gegenstände sind Sicherheitsschuhe S3 das Minimum, während in weniger gefährlichen Umgebungen oft S1- oder S1P-Schuhe ausreichen.
Welche Auswahlmöglichkeiten hat man beim Sicherheitsschuh in puncto Material?
Als Obermaterialien kommen meist Leder (z. B. Vollrindleder) oder Synthetik (z. B. Mikrovelours) zum Einsatz. Die Sohlen können aus Gummi, PU (Polyurethan), TPU (thermoplastisches Polyurethan) oder PVC (Polyvinylchlorid) bestehen. Praktisch sind Sohlen mit Verschleißindikatoren. Die Schutzkappen bestehen entweder aus Fiberglas (glasfaserverstärktem Kunststoff) oder Stahl. Achten Sie bei der Materialwahl auf Atmungsaktivität, Wasserfestigkeit und Rutschfestigkeit, um den Tragekomfort zu erhöhen.
Arbeitsschuhe ohne Schnürsenkel - praktisch oder unnütz?
Anstelle der klassischen Schnürsenkel gibt es Modelle mit Klettverschluss oder einem Schnellschnürsystem. Vor allem Letzteres ist ein praktisches Verschluss-System, da es auch einhändig oder mit Handschuhen genutzt werden kann, um einen sicheren Sitz der Schuhe zu ermöglichen. Nur gut sitzende Sicherheitshalbschuhe können ihre Funktion erfüllen. Schnürsenkellose Schuhe bieten zudem den Vorteil, dass keine Stolpergefahr durch offene Schnürsenkel besteht.